System-Anomalie

Wer hat das Lenkrad?!

Monat: Oktober 2017 (Seite 1 von 2)

Weitere Gedanken zur Auseinandersetzung mit Glyphosat

Weitere Gedanken zur Auseinandersetzung mit Glyphosat

Um den Initiatoren der Kampagnen die Möglichkeit zu geben, ihren Standpunkt zu überdenken, wäre meines Erachtens ein öffentliches Bloßstellen Kontraproduktiv. Dies käme in dem Moment zustande, wo ich sie zu einer Diskussion zwinge unter den Augen der Öffentlichkeit.
Wir wissen, das dies in den seltensten Fällen zu einer Einsicht führt.

Daher ist meine Überlegung, zunächst die Initiatoren dieser Aktionen einzeln zu persönlichen Gesprächen zu bitten, und mit ihnen zu klären, das “unsaubere Arbeit” in Bezug auf “Aktualität der Informationen” nicht nur der Sache an sich schadet, sondern auch das Vertrauen in Bürgerinitiativen langfristig gefährdet und damit auch die “Verantwortung von Reichweite” in deren Händen liegt.

Ich habe keine Ahnung, ob sowas klappt. Ich bin jedoch der Meinung, das selbst wenn sich nicht kurzfristig ein “Innehalten” ergibt, dieser Weg nicht automatisch unbrauchbar ist.

Langfristig müssen wir alle nämlich Wege finden, um MITeinander den Diskurs wieder zu erlernen, denn die Themenfülle, welche wirklich den Erhalt unseres Planeten angeht ist derzeit beinahe unerschöpflich.

Dazu gehören direkte Bedrohungen der Umwelt, Kriege, Wirtschafts- und Finanzwesen, als auch lokale Themen welche durch unsere Unfähigkeit sachliche Auseinandersetzungen zu führen nur ein wirklich dramatisches Ergebnis hervorbringt: Spaltung.

Zur Erinnerung: “Was macht mich so besonders, das ich in der Lage bin, dieses für mich bis vor 3 Tagen (überspitzt!) felsenfest von der Überzeugung geleitete Thema ‘Glyphosat sei das Ende’ zu einem Umdenken zu bewegen?”

Eben.. gar nichts!

Lediglich meine Wertschätzung privater Beziehungen und meine für mich sehr wertvolle Ebene der Selbstreflexion haben dazu geführt, das ich mir ein Bild über den Status Quo von Glyphosat gemacht habe.

Demnach wird dies nicht ausreichen, um die “Breite Masse” dazu bewegen zu können, den Informationstand zu aktualisieren.

Ich hoffe, ich gehe niemanden auf die Nerven, wenn ich immer wieder auf die Art & Weise der Debatte bzw. die Kommunikation als solche hinweise

Glyphosat – Umgang mit angstbehafteten Themen

Anlässlich eines Posts auf Facebook, habe ich mich zum Einen mit der “neuen” Sachlage um das geforderte Verbot des Pestizids “Glyphosat” beschäftigt, zum Anderen mit dem Phänomen der indirekten verbalen Gewalt in Auseinandersetzungen.

Denn ich bin der Meinung, solange letzteres die Kontroversen anführt, können Inhalte nicht transportiert werden.

Doch der Reihe nach.

Am 26. Oktober tauchte in meiner TL das Posting auf „Ein Verbot von Glyphosat wäre ein enormer Rückschritt, sowohl im Hinblick auf den Verbraucherschutz als auch für den Umweltschutz.“

Diese Aussage empörte mich zunächst aus mehreren Gründen. Zum Einen wegen der Vereinnahmung von “Allerweltsthemen” in das Parteiprogramm der Piraten, zum Anderen weil ich bis zu diesem Tag durchaus fest der Überzeugung war, sämtliche negativen Bewertungen gegenüber “Glyphosat” seien berechtigt.

Im Laufe der Diskussion um dieses Thema folgte ich den angebotenen Links, um die aufgestellte These der “faktenfernen Schlammschlacht” und den “neuen Informationen” zu verstehen.

Zunächst machte ich meinen Unmut Luft, denn für mich war zunächst das pauschal “in Frage stellen” der Aktivisten und Bürgerinitiativen grotesk. Und dies wird sich wahrscheinlich auch nicht ändern. Was sich jedoch ändern muss, ist der Umgang miteinander und die Verpflichtung eines Jeden, der die öffentliche Meinung beeinflusst bzw. beeinflussen will, sich seiner Verantwortung bewusst ist! Dazu später mehr.

Blogpost “Glyphosat: Die Fakten zur Debatte”

Nachdem ich dann weitere Dokumente gesichtet habe, die den Aufbau des Produkts, die Verwendung und den Abbau der Bestandteile hinreichend darlegt, kann ich zumindest zusichern, das ich die derzeit kursierende Krebserreger-Debatte in Bezug auf Glyphosat vorerst nicht tragen kann.

Vermutlich werde ich jetzt doch etwas auf die Kommunikationsebene eingehen, als inhaltlich zum Eingangsthema Stellung zu beziehen.

Eine Auseinandersetzung “Angstbesetzt” zu nennen, erschwert einen Diskurs.

Denn insgesamt kommt jedoch einiges dennoch zu kurz:
Wie Du Stefan, ja auch mehrfach andeutest, stand dieses Pestizid argumentativ immer in Verbindung mit genmanipuliertem Getreide, welches auch als Futtermittel verwendet wird.
Außerdem in Verbindung zu den Nahrungsmittelindustriekonzernen, die nun hier auch ausreichend genannt wurden.
Und eines fehlt: nämlich die zu der Zeit bestehende Informationsbasis über diese ganzen Faktoren nebst Nahrungskonsum und Lebensmittelverschwendung, also der gesamte Umgang mit Nahrung als solche plus dem unnötig hohen Fleischkonsum… (bedenke: 10 Jahre zurück gebeamed).
Die Komplexität, also in welche Bereiche einzelne Entscheidungen ebenfalls wirken und möglicherweise noch nicht abschließend untersucht wurden.

Eine Auseinandersetzung “Angstbesetzt” zu nennen, erschwert einen Diskurs. Ich habe mich mit den Dokumenten heute ausschließlich deswegen beschäftigt, weil wir eine persönliche Beziehung und einen gewissen sprachlichen Umgang miteinander pflegen, nicht jedoch, weil das Thema für mich “genug zur Neugier angefüttert” wurde. Das ist wichtig, um zu verstehen, das nicht diese Auseinandersetzung als Erfolg zu zählen sei, einen “Skeptiker” erleuchtet zu haben! Weder durch die Aufmachung noch durch die These!

Es gibt dererlei reichlich Themen, welche im Laufe der Zeit möglicherweise wissenschaftliche Veränderungen oder gar Verbesserungen beinhalteten, diese jedoch nicht mit den Menschen mitgewachsen sind. Schon gar nicht mit der öffentlichen Meinung.

Solche Themen sind z.B. “Influenza-Impfungen”, AIDS & HIV, Biolabel, fossile Kraftstoffe, E-Mobilität & Akkus, und dergleichen mehr.

Eine Frage, die man sich stellen muss ist, wie transportieren wir die Informationen in die öffentliche Auseinandersetzung.

Der Mensch ist nicht perse ungebildet, einfältig oder ein […]Gegner

Die Abwehrhaltung ist ja nicht perse etwas, was der Mensch mit auf den Weg bekommt. Diese Lokomotiv-Verteufelung zu Industrie_1.0 lag ja nicht daran, das der Mensch ungebildet ist, sondern weil er misstraute. Und dieses Misstrauen basiert ebenfalls nicht darauf, das es einfältige Menschen waren, sondern weil das Vertrauen in die Organisation seitens Regierungen selbiges durch Machtmissbrauch bzw. zumindest durch gefälliges Auslegen von Macht den Bürger für unmündig erklärt.

Demnach kann man davon ausgehen, das wir heute immer noch vor dem gleichen Problem stehen: solange den Entscheidern nicht vertraut wird, welche darüber letztendlich gravierende Weichen stellen, solange vermutet selbst der gebildetste Mensch einen Haken an der Sache.

Und das kennen wir bereits von TTIP und eben auch von VW bzw. dem Dieselgate, das Intransparenz bei den Entscheidungen in den seltensten Fällen ein rund um sorgenfreies Befürworten der breiten Masse zur Folge hat.

Und solange sich Wissensträger eher darüber aufregen, wie denn der “Rest der Welt nur so ungebildet sein kann” werden Inhalte ebenfalls nicht transportiert, denn diesen Menschen hört man nur einmal zu.. um sich die Packung abzuholen, das man es im Grunde gar nicht Wert ist mit ihnen zu reden.

Zurück zur Frage “Wie man das nun transportieren kann.”

Die Vertrauenskrise in unsere Regierung hat in den letzten 4 Jahren erhebliche Schäden angerichtet und mit der Jamaika-Koalitionsverhandlung ist alles andere als eine Verbesserung der Situation in Sicht. Wenn die Umfragen nicht derart formuliert wären, das bestimmte Antworten gar nicht gegeben werden können, nämlich z.B. “Trauen Sie der Regierung noch einen konstruktiven Weg in eine Zukunft mit fatalen Umweltproblemen, globaler Zunahme von Faschismus, radikalem Zusammenbruch vom sozialem Netz, Welternährung, Flüchtlingsströmen verschiedenster Arten (u.v.m.!)zu?” würde die Antwort “NEIN!” heißen.
Und das eben nicht deswegen, weil der Bürger ein Spielverderber ist, sondern weil er sich weder vertreten, noch gehört oder gefragt fühlt.

Das dies auch auf die Kappe der Bürger geht – Du kennst mich! – sicher tut es das. Wir haben uns zulange aus den Debatten rausgehalten und damit auch das “Entscheiden Sie für mich, ich hab keine Ahnung von Politik, dafür hab ich Sie gewählt” erst den Boden bereitet. Und wir haben dadurch auch flächendeckend bzw. Generationsübergreifend verlernt, wie man kontroverse Auseinandersetzungen führen kann!

Dennoch.. es geht wie Du von mir weißt, mir immer wieder um die Kommunikation. Räume zu schaffen, um Themen dem Bürger nahe zu bringen. Auch mal Themen, die “revolutionär” aus dem Einheitsbrei heraus stechen oder eine gewohnte Haltung provokant unterbrechen.

Und ich denke, das wird der Auslöser sein, weshalb ich (und ich denke in diesem Falle stellvertretend für einige Andere auch) vor Empörung ein “Wie bitte?!” durch die morgendliche Küche rief

Wie gesagt, ich habe mich jetzt durch die Dokumente durchgearbeitet und bin noch lange nicht in der Lage eine abschließende, für mich gültige Meinung zu treffen. Jedoch hast Du bereits erreicht, DAS ich es überhaupt tat, dafür bin ich Dir dankbar

Auf die Antwort, das es ja “gut sei, das ich offen für neue Gedanken wäre” und nicht zu stolz sei, dazu auch Stellung zu beziehen, beantwortete ich wie folgt:

“Ja, es gefällt mir auch immer wieder gut, wenn man etwas entspannter an die Sache herangehen kann.

Zu “stolz” bin ich schon recht lange nicht mehr. Sowas behindert nur, vor allem, wenn man sich mit so einer Einstellung selbst im Wege steht. Wenn man das erstmal abgelegt hat, wird Vieles einfacher

Doch möchte ich jetzt nur kurz einwerfen, das mir das zu schnell geht.

Zu schnell im Sinne von “die Schuldigen gefunden zu haben“.

Diese Organisationen haben sich aufgebaut, aus Menschen, die sich ursprünglich als Bürger um eine lautere Stimme bemüht haben. Und es ist auch eben nicht pauschal alles schlecht was die machen, nur weil diese eben selbst genau wie ich wohl möglich nur einen Zug verpasst haben.
Und deswegen ist die Existenz jeglicher Bürgerinitiativen, auch jene, die sich größeren Organisationen angeschlossen haben meiner Meinung nach eher erstmal positiv.
Das die Kommunikation mit den meisten “festgefahrenen” Meinungsbildinhabern erst einmal schwierig ist, liegt in der Natur der Dinge.
Die Unterhaltung fordernd sachlich zu halten und auch mediativ auf dieser Ebene, möglicherweise auch durch Moderation zu unterstützen wäre eigentlich eher mein Ansatz, als “neue Wahrheiten” den “Ungläubigen” um die Ohren zu watschen..

Zugrunde liegt immer noch der Bürger, der durch fehlende Transparenz und einem sich daherwalzenden Regierungs-Moloch sich immer weniger mit der Politik der Regierung identifizieren kann und DADURCH misstraut.

Glyphosat und WHO

Wenn mich etwas interessiert, dann kann es auch dazu führen, mich an einem Sonntag morgen um 5:30h bereits mit meinem ersten Kaffee an wissenschaftliche Dokumente oder auch um die Analyse kontroverser Meinungsbilder zu machen

Ich wollte nun wissen, wie sich die Weltgesundheitsorganisation zu diesem Thema positioniert – denn ich werde eben auch misstrauisch, wenn Organisationen und Bürgerinitiativen perse als “faktenfern” eingestuft werden.
Wenn die Stimmung zu diesem Thema derart überladen ist, das BEIDE SEITEN sich eine langfristige Zerstörung der Lebensgrundlage für Mensch und Umwelt vorwerfen, dachte ich mir, ich frage mal DIE Organisation, die möglicherweise vom Wissensspektrum her den größten Überblick haben muss.

Und siehe da, ich habe der aktuellen Situation angemessene Formulierungen gefunden. Nämlich, ..

  • die Bestätigung der Existenz NEUER Daten, welche nun durch verschiedene Expertengruppen untersucht werden sollen
  • solange die Auswertung nicht abgeschlossen ist, werde die WHO keine Änderung der Positionierung empfehlen, also keinem Verbot zustimmen

Was ist angesichts dieser Situation die Empfehlung der WHO in Bezug auf diese Pestizide?
An dieser Stelle empfiehlt die WHO keine Änderung der nationalen Richtlinien und Vorschriften. Es empfiehlt, dass die Länder bestehende und künftige Empfehlungen des JMPR und des Codex Alimentarius berücksichtigen.
Unterstützt die WHO das Verbot von Glyphosat und Malathion?
Bis heute unterstützt PAHO / WHO das Verbot dieser beiden Pestizide nicht, bis die JMPR-Bewertungen abgeschlossen sind. Die Gemeinsame FAO / WHO-Tagung (oder JMPR) legt ein sicheres Expositionsniveau für diese Chemikalien fest.

http://www.paho.org/hq/index.php?option=com_content&view=article&id=11393

Ich sehe mich ja leider Außerstande, weder die an sich plausiblen Erklärungen und Ergebnisse der Studien zu verifizieren, noch die Fachkompetenz der Studiengruppen zu beurteilen, da ich nun mal nicht vom Fach bin.

Letztlich, das Einzige, was ich derzeit den Aktivisten zum Thema Glyphosat vorwerfen kann ist sich auf Informationen zu berufen, welche möglicherweise überholt sind, bzw. die Existenz neuer Daten und Ergebnisse zuzugeben.

Was die Aktivistenplattform Campact angeht, bin ich seit der Bundestagswahl 2017 sehr mies auf die zu sprechen, denn es gab bis heute weder eine plausible Begründung für das Kleinparteien-Bashing bzw. für die “stategische Wahlempfehlung” noch eine Entschuldigung. Und DAS sind für mich echte Schäden an der Demokratie. (jedoch hier ein anderes Thema)

Um die Plattformen und deren Publikum zu erreichen, sollte sich jedoch jeder ausrechnen können, das ein “Ihr Faktenverweigerer und Angstverbreiter!” mit hoher Wahrscheinlichkeit NICHT dazu führt, sich der neuen Daten anzunehmen und Aktivitäten vorerst ruhen zu lassen.

Das Diese als Methodik “Verbotskampagnen” verwenden, hat sich im Laufe der Zeit wohl etabliert, da es – aus eigener Erfahrung – echt schwer ist, aktuell den Bürger von seinem Sofa zu holen.

Demnach gibt es bei ALLEN Kontroversen ein großes Problem bzw. Fragen, die man sich vorher selbst stellen muss:

  • “Will ich alles unternehmen, um meine Information als Anregung in die Kontroverse einzubringen oder will ich meinem Frust Ausdruck verleihen?”
  • “Will ich polemisch sein und die ‘Anderen’ zunächst spüren lassen ‘wie sehr sie doch daneben (sind) liegen’ oder will ich das man sich der neuen Informationen annimmt?”
  • “Will ich zielführende Auseinandersetzung oder eine Ächtung der Idioten?”

Da ich auch kein promovierter Kommunikationswissenschaftler bin, dies jedoch mein Thema seit gut zwei Jahrzehnten ist müssen wir uns wirklich vorher fragen, ob Herabstufung, Diskreditierung, weitere Kampfbereitschaft und grundsätzlich spaltende Werkzeuge die Mittel der Wahl sind. Denn die Ergebnisse mit diesen Methoden sind weltweit bewiesenermaßen miserabel im Bezug auf Zusammenarbeit, Aufklärung und Verbesserung zum Wohle der Gemeinschaften

Diese innere Bestandsaufnahme sehe ich nicht nur bei diesem Thema, sondern generell bei allen Themen, welche eine dynamischen Gruppenmeinung angeht.

Deswegen auch meine Bemerkungen bezüglich zur AfD, wo derzeit mein hauptsächlicher Aktivitätenschwerpunkt liegt, also meine Ausarbeitung, wie man mit dieser Bewegung umgehen kann, welche Faktoren zu einer Erstarkung führten und durch welche Ursachen so ein Potential von Angstverhalten provoziert wurde.

So weit mein No.4 Kaffeegruß in den Tag

PS.: Stefan “Finde es gut, dass Du bei dem Thema offen für neue Gedanken und Fakten bist und Dir dann auch nicht zu stolz bist, Deine Ansichten weiter zu entwickeln.
Dieses Zitat stelle ich mal als kleinen Gedankensplitter in den Raum, was “das Zulassen neuer Gedanken” im Bezug auf Kommunikation angeht

Piraten – Blinder Aktionismus

Mal ganz abgesehen davon, das die Suche nach weiteren Piratenfernen Themen scheinbar kein Ende nimmt, ist die neue Positionierung zu Glyphosat nun ein echtes NoGo.

Ich dachte zunächst, ich seh’ nicht richtig und laß mich in das Posting ein und auch in die neuen Berichte über Glyphosat, die proklamieren, “Man solle das jetzt nicht pauschal verteufeln”.

Doch die Bestätigung, das mein Impuls der Empörung das schon richtig erkannt hat, folgte auf dem Fuße.

Mich ärgern hier jetzt mehrere Dinge:

  1. Die Vereinnahmung von Themen in das Parteiprogramm der Piraten, welche den “Machern” offensichtlich den kausalen Zusammenhang zwischen der absoluten Positionierung und der daraus folgenden Ausgrenzung von Mitgliedern nicht klar wird,
  2. Themen, die sogar von Greenpeace und anderen Organisationen, welche die Wechselwirkung im Gesamtbild “Umwelt” jahrelang kritisch untersucht haben, werden nun als pauschale Verteufelung bezeichnet,
  3. Mitgliederzahlen- und Wählerschwund keinerlei Bedeutung hat.

Mich ärgert das deswegen, weil ich aus der Zeit stamme, wo die Piratenpartei in Gründung war und wir damals schon anmahnten, bei digitalen Themen zu bleiben. Und solange wir das taten hatten wir Zulauf. Als wir damit aufhörten um mehr Wähler und Mitglieder zu bekommen, jedes “nicht-digitales” Thema integrierten, “um ein breiteres Spektrum” zu bedienen, wurden die Piraten zu einer gesichtslosen Partei, die eines mit den etablierten Parteien gemeinsam hat: Einerlei, Einheitsbrei!

Ich kann Pirat sein und links sein, ich brauche aber keine linke Piratenpartei.
Ich kann Pirat sein und für das BGE, jedoch keine Piraten-BGE-Partei.

Diese Liste kann ich fortsetzen. Ich kann auch fortsetzen, das ich eine äußerst kritische Haltung gegenüber der Schulmedizin habe, ohne sie pauschal zu verteufeln. Ebenso habe ich eine äußerst kritische Haltung gegenüber der Nahrungsmittelindustrie, in der ich den Aktionismus von Konzernen wie MONSANTO, Nestle & Co sehr genau unter die Lupe nehme. Kritisch deswegen, weil die Ursachen durch unüberlegte, lösungsverliebte und gefährliche Methoden als Lösungen “verkauft” werden, welche dann weitere Probleme verursachen, welche mit noch absurderen Lösungen beantwortet werden.
Diese Themen, also beispielsweise Schulmedizin und Nahrungsmittelindustrie interessieren mich als Bürger. Nicht jedoch als Pirat!
Für einige ist das wohl nicht verständlich. Sei es drum, denn denen kann ich das sowieso nicht erklären, weil sie es nämlich nicht verstehen wollen.

Der Unterschied ist eben, das meine persönliche Meinung zu $Dingen nicht gleichzeitig sofort als Programmziel (im Piratenprogramm) stehen muss. Denn das bedeutet im einfachen kausalen Umkehrschluss, das jeder Pirat das mittragen muss. Vollkommen unabhängig welchen inhaltlichen Informationsstand ICH habe! Und das genau ist das Drama.

Letztlich, durch diese Aktion, die so offensichtlich eine dramatisierte Symptombekämpfung als “wichtiges Thema für die Piraten” gewünscht wird, ist mir klar geworden, die Piraten sind tot.

Schade um die 2 Monate Arbeit nach der Bundestagswahl 2017 und die wiedereinmal verheizten ehrenamtlich arbeitenden Mitglieder. Aus Fehlern lernen scheint wohl bei den Piraten in einem anderen – sich mir nicht eröffnenden – Kontext zu stehen.

Eine Diskussion scheint mir unmöglich, da ein aktives Zuhören verlernt wurde und statt dessen mit gewohnter “überzeugenden Argumentation” geantwortet wird, welche lediglich den persönlichen Teil der Abneigung bzw. Haltung widerspiegeln, nicht jedoch das größere Ganze.

Man sollte sich in einer ruhigen Minute mal fragen, ob all das, was der AfD seit nun 4 Jahren vorgeworfen wurde, inzwischen nicht schon selbst praktiziert wird.

Ich bin dann endgültig raus.

 

Hermeneutik – Hört zu!

Denkzentrum|Demokratie hat in einem Tweet wieder meinen Nerv getroffen. Danke dafür!

Svenja Flaßpöhler hat in Ihrem Kommentar für mich erstmals in transportierbare Worte gefasst, was mir die ganze Zeit über durch den Kopf schwirrte. Ich schrieb selber genug darüber, führte aber eher zu Empörung, wie ich den mit den “Rechten reden könne oder warum ich das denn gar wolle” und mir wie aus der Pistole geschossen ein “Mit denen kann man nicht reden“, “Die haben lange genug geredet“, “Die reden doch dauernd” und sogar Fragen, ob ich mich nun dem rechten Lager annähern würde, da ich ja scheinbar sympathisiere.

Das mir dann auch der “Spaß” daran vergeht, zu Veröffentlichen, was ich da tue und warum, sollte eigentlich jedem klar sein.

Letztlich hat mich der Kommentar dann inspiriert, meine Arbeit wieder aufzunehmen!

ffg.

Stigma – Psychotherapie

Wie immer ein klares “Jain”  🙂

(Nachfolgend meine Beobachtungen)

Oberflächlich betrachtet besteht bei den Menschen, die unreflektiert im “Hamsterrad” stecken die klare Tendenz, jegliche Schwäche von sich fern zu halten.

Der “Irrglaube” Dinge unter die eigene Kontrolle zu bringen, welche außerhalb der individuellen Grenzen (physisch sowie ökonomisch) liegen, führt zu noch “gefährlicheren” Methoden, wie Manipulation, Intrigen, Tunnelblick und natürlich auch zum bekannten “Nach oben buckeln, nach unten treten” .

Sich einzugestehen, das dieses (Über-)Lebensmodell im Grunde nicht funktioniert, wird dann oft erst durch einen “Burnout” aufgezeigt.

Schlimm ist, dass jene Hamsterradkarrieren oder gar die “Helocopter-Eltern” welche in diesem Lebenskonzept gerade eben so ausdosiert tatsächlich erfolgreich erscheinen, der gesamten Außenwelt die Ächtung von Schwächen weiterhin vorleben.

Teilweise mit sehr gemeinschaftsfeindlichen Bezeichnungen wie die “Darwin’sche Evolutionstheorie” oder Elite-Denken.

Andererseits sind die meisten Menschen die ich kenne, welche diesen Prozess des Zusammenbruchs durchlaufen haben, hinterher zunehmend in der Lage, nicht erneut in dieses im Grunde lebensfeindliche Modell zu fallen.

Als Betroffener und auch durch die Arbeit mit Betroffenen erlebe ich einen neuen Wert von Begriffen wie Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Selbstwert.

Veränderungen und das zweite “Erwachsenwerden” kommen nicht über Nacht, sondern sind oft mit schmerzvollem Loslassen alter Muster verbunden. Jedoch entsteht mit der Zeit eine Zuversicht, beispielsweise das “Arbeitsklima” zu einer A-Priorität zu machen und das Gehalt oder Karriereaussichten auf B oder gar C zu setzen.Während oder durch die Arbeitsverhältnisse nicht mehr psychisch oder seelisch zu leiden, rutscht in den Lebensmittelpunkt. Das als Bedingung für die Neuausrichtung im Leben zu gestalten wird mit etwas Training einfacher und stabilisiert das eigene Wesen enorm.

Menschen, die bereits einige Erfahrungen im Aufarbeiten gemacht haben, lassen sich häufig auch nicht mehr stigmatisieren, bzw. tabuisieren das Thema (Psycho-)Therapie nicht mehr. Selbstverständlich heißt es nicht, naiv bei jeder Gelegenheit darüber zu erzählen. Auch hier stellt sich irgendwann ein gesundes Verhältnis ein zwischen “preisgeben”, “Zurückhaltung” und “Bedingung” ein.

Dennoch werden in dem Bericht einige Ursachen aufgeführt, die ich ähnlich sehe. Zum Beispiel die Zeiträume wie “Nachkriegszeit” und “Wirtschaftswunder“.

Letztlich, “ob es ein Stigma ist” lässt sich mit einem “sowohl als auch” beantworten. “Gefühlt” ist die derzeitige Präventivarbeit und öffentliche Auseinandersetzung auf einem guten Weg.

Ob man mit unserem leistungsorientierten Wirtschaftssystem dauerhaft gesunde Sichtweisen etablieren kann, wage ich allerdings zu bezweifeln. Ich befürchte, das diese aktuelle Version ein inneres Wachstum gerade wegen den Altlasten eher unterbindet.

Und mit Hinsicht auf den zu erwartenden gesellschaftlichen Wandel durch “Industrie4.0” könnte es eher noch schlimmer werden, wenn der Bruch von Stabilität durch z.B. “Berufsausbildung für ein Leben” gekippt wird, und ein bisher funktionierendes Ablenkungsprinzip “Arbeit” wegfällt.

Stimmt das? “Der Aufstieg der Rechten ist keine Diskurspanne (der Linken)”

http://www.sueddeutsche.de/kultur/debattenkultur-der-aufstieg-der-rechten-ist-keine-diskurspanne-der-linken-1.3710691

Protest gegen rechts auf der Buchmesse in Frankfurt
(Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)

Nach der Frankfurter Buchmesse stellt sich die Frage, wie eine tolerante Gesellschaft mit Intoleranz umgehen soll. Mit den Rechten reden? Oder reichen Argumente nicht mehr aus?

Ich sehe es anders. Bereits in der Aufmachung.

Mit den “Rechten” reden ist sicherlich sinnlos. Da gibts das StGB!

Reden sollte man mit denen, die “Rechte” für eine Alternative halten. Und das wird leider unterbunden durch hysterisches Schuldzuweisen.

Und “WIR” werden die Antworten ebenfalls nicht finden, weil sie unter dem Getöse der Feindbildkulturen vollkommen untergehen!

Die Blamage d. #NSU-UA sind Beispiele vom Versagen des StGB, vom falschen Schutz v. Entscheidungen von V-Männern, etc. Da kann man gerne mal auf den Putz hauen. Der Kuchen ist sogar noch warm!

Doch die echte Ursache zu finden, warum die Gesellschaft sich spalten lässt wird eben die Antifa nicht beantworten können.

Die Probleme in unserer Gesellschaft und im Umgang unserer Gewaltenteilung sind wesentlich komplexer, als sie stumpf mit “Dumm”, “$Anti” oder ähnlichem zu skandieren!

Diese Auseinandersetzung wird permanent sensationell parodiert, verharmlost oder unterbrunden!
Und das halte ich dann sehr wohl für eine Diskurs-Panne.

Aussage: Wenn Leute rechtsextrem wählen weil sie ein Problem mit der Gewaltenteilung haben ist das doch kein der Debatte der restlichen Gesellschaft?”

Wie ich bereits schrieb: die echten Rechten mit dem Strafgesetzbuch konfrontrieren.
Mit denjenigen reden, welche die Rechten für eine Alternative halten.

Ich werfe mein Kind ja auch nicht weg, wenn es Sch**ße baut, sondern beschäftige mich damit, warum es das tat.

 Und ich schrieb, das die Gesellschaft ein Problem mit dem Umgang der Gewaltenteilung hat. Ganz konkret im Fall des #NSU-UA.  Doch komplexe Strukturen anzugreifen ist eben wesentlich schwieriger als alle in einen Topf zu werfen und sich dann zu wundern, wenn er um die Ohren fliegt.

 Und ich schrieb, das es sehr wohl eine Diskurs-Panne ist. Jedoch habe ich bewusst das Wort “Linke” weggelassen. Denn diese Form der Schein-Debatte scheint in unserer Gesellschaft flächendeckend Einzug zu halten.

Ich sehe darin Gedankensplitter für eine Auseinandersetzung und keinen erneuten Anlaß zu prüfen, ob ich links, rechts oder sonstwo stehe. Damit geht der “Prüfer nur sich selbst auf den Leim”.

Genau das findet nämlich derzeit statt. Eine Gesinnungsprüfung, ob mein Nebenmann noch auf meiner Seite steht, statt zu prüfen, ob die eigene Richtung noch stimmt.

Das Reflex-Trash-TV hat vielleicht nicht “Einzug gehalten in die Köpfe” in unserer Gesellschaft. Vielleicht stellt es ja doch eine Art von Selbstausdruck dar

Aussage: Das Strafgesetzbuch? Nazi-sein ist nicht verboten. Und es geht da aus meiner Sicht auch nicht um verwirrte Kinder. Menschen, die extrem rechts wählen unterstelle ich, dass sie das als Erwachsene bewusst tun. Natürlich sollte mit denen, die noch irgendwie erreichbar sind, geredet werden. Aber grundsätzlich will ich rassistischen Positionen nicht – noch mehr! – Raum in der Debatte geben als sie ohnehin schon haben. Eines der großen Probleme derzeit ist ja die erfolgreiche Verschiebung des Diskurses nach Rechts.

Das verstehe ich sehr sehr gut!

Doch wenn ich mich nicht irre, stehen Äußerungen, Symbole, Handlungen, das Kultivieren und Verherrlichen der NS-Herrschaft, uvm. sehrwohl als Straftatbestand im Gesetzbuch. Mich wundert es auch ehrlich, das Höcke, Gauland & co. in keinster Weise für ihre Handlungen und Äußerungen zur Rechenschaft gezogen werden.

Und leider ruft der Mechanismus des Tabuisierens die Polarisierung erst hervor. Und solange eine Tabuisierung einem Feindbild zugeschrieben werden konnte, wie zB. die Haltung der Kirche gegenüber Abtreibung, Homoehe etc. wird es diskutiert und auch als solches benannt. Beginnen wir selber mit einer Tabuisierung, einem Ausblenden oder sonstigem Selbstentzug der Debatte, scheinen wir diesen Menchanismus mit ganz heftig moralischen Werten zu rechtfertigen.

In der Vergangenheit war hauptsächlich das Einzige, was “Aktivisten” in unserer Gesellschaft der “A*D” entgegen brachten, pauschales Beleidigen und mit “Bist kein Nazi, aber..” durchs Dorf zu peitschen.

Ich nehme mich davon nicht aus! Und ich dachte damit auch, das würde reichen. Ich dachte es wäre richtig.

Jedoch erfahre ich heute, dass das Eingestehen der Niederlage, das dieses Konzept nicht funktioniert hat, es zu einfach war und ich mich möglicherweise mitverantwortlich sehe, ich mich mit der Kritik nun selbst im Zentrum einer Zielscheibe wiederfinde.

Wenn jedwede Kritik an der Regierung, die zufällig *nicht* auf der Agenda einer eher “liberalen” bzw. “linken” Partei steht automatisch “rechts” sein muss und mit der Parole “Kein Nazi, aber..” untermauert wird, stelle ich lediglich die Frage in den Raum, ob ich wohl möglicherweise diese Leute erst in die Arme der A*D trieb.

A*F zu wählen, selbst aus Protest, erntet bei mir auch nur ein Kopfschütteln.
Doch ist es dennoch ein Symptom für eine Ursache… und will ich die nun hören oder nicht?

Will ich den Mut aufbringen und das eigentliche Desaster in unserer Gesellschaft sehen oder nicht? Wo wir stillschweigend systematischem Unrecht zustimmen. Was wir aus Desinteresse Tyrannei gewähren lassen. Wo wir Wirtschaft vor den Schutz von Leben stellen. Wo wir “gut gemeint, ungleich gut getan” akzeptieren.

All das wird eben solche Auswüchse hervorbringen. Wo Teile der Gemeinschaft sich aus dem Diskurs ausschalten und ihre Meinungsbildung der Schwarmintelligenz einer Filterblase überlassen.

Je weiter dieses derzeitige Modell der Feindbildkatapulte und moralische Keule Debakel bleibt, um so schwieriger wird es einen Anfang zu finden.
Denn.. was sollen wir denn sonst machen?
Bürgerkrieg? Die Leute aus dem Land werfen?

Glaubt auch nur ein Mensch, das ein weiteres permanenten Ächten diese Menschen – ab nah oder fern am Rechten Ufer – diese zur Besinnung bringt?

Aussage: Wir werden aushalten müssen, dass Menschen mit einem entsprechenden Weltbild nun auch in den Parlamenten sitzen. Wenn ich mich in Europa umgucke hat weder das Einbinden (Dänemark, Österreich) noch das Ausgrenzen (Frankreich, Schweden) den Aufstieg entsprechender Parteien verhindern können. Schade, aber es gibt da kein Muster zu geben, nachdem die sich wieder zurück auf den Müllhaufen der Geschichte zurück befördern lassen. Davon abgesehen sollte es eine Selbstverständlichkeit unter Demokraten sein, um die Besten Ideen und deren Umsetzung zu streiten.

Ja, leider.
Doch können sie “entmachtet” werden. Wenn wir die Wähler von deren undemokratischen und systemfeindlichen Zielen überzeugen können.
Das schaffen wir meiner Meinung nach jedoch nicht, wenn wir sie für etwas bestrafen, worin diese keinen Sinn erkennen können.

Und nur weil eine noch so abstruse “Meinung” demokratisch bzw. nach dem GG gedeckelt scheint, kann man sich trotzdem gemeinsam über dessen Inhaltslosigkeit und Leere auseinandersetzen. Sie werden es selber merken.

In den 80ern haben “Wir” uns auch nicht vorschreiben lassen, was wir zu denken haben. Warum kommen wir heute auf die Idee, das es bei einer Personenmenge doch funktionieren sollte.
Nur weil die eine Meinung haben, die wir nicht teilen?

Wir haben gute Ansätze, um der A*D zu zeigen, wohin deren Ziele führen. Aber wir müssen uns auch gefallen lassen, das wir selbst auch wenig tun, um zum Beispiel Fluchtursachen WIRKLICH zu vermindern.

Das eine darf das andere eben nicht ausschließen.

Und was ich ebenfalls zu bedenken gebe: diese “rechte” Provokations-Show, letztmalig bewiesen vor einigen Tagen mit der Frankfurter Buchmesse 2017, wird derzeit in meinen Augen als Beschäftigungstherapie gepuscht, DAMIT uns nicht ein-/auffällt, dass in den letzten 20 Jahren kapitale und fatale Fehler gemacht wurden, die durch größere Fehler gedeckelt werden und wir nur nicht auf die Idee kommen, das Ganze zu hinterfragen.

PS: das was wir beide hier tun, ist Auseinandersetzung. Und DAS sollten wir auch wieder kultivieren und verbreiten

 

Teil 2, Radikale Sackgasse!

Meine Stellungnahme zu..

“Offener Brief an die MdBs der LINKEN”

(http://tinyurl.com/ya9l3ez4)

“[..] Aber die wiederholten Äußerungen der bisherigen Fraktionsvorsitzenden der LINKEN im Bundestag, Sahra Wagenknecht, stellen den antirassistischen Grundkonsens einer pluralen Linken in Frage. Sie sind für uns längst mehr als ein Ärgernis.[..]”

Dieser “offene Brief” wäre ein Witz, wenn er nicht in einer üblen Art & Weise nach Sabotage und nun doch nach Mobbing riechen würde!

Vorweg, ich habe die Partei “die LINKE” nicht gewählt und hatte auch noch nicht den Gedanken, es zu tun. Dennoch gefallen mir Wagenknechts Aussagen, die Bundestagsdebatten und Interviews an sich ganz gut.
Ich halte Frau Sahra Wagenknecht für eine Frau, die mit Herzblut bei der Sache ist und sich durchaus sehr viele Gedanken um ein faires Deutschland macht.

Meine Überschrift “Radikale Sackgasse” deutet auf ein neues Phänomen hin, welches sich wohl vor einigen Jahren eingeschlichen hat. Und solange die Probleme nicht so tiefgreifend sind, wie der Brenntiegel “Flucht” konnte man sich schneller einig werden und auch einfacher Kompromisse schließen. Selbst wenn man nicht zu 100% mit dem Gesagten übereinstimmt.

Nun, da Debatten um eine “Flüchtlings-Obergrenze” offensichtlich nicht mehr von den Titelseiten zu fegen sind, sollten wir uns dieser Sache annehmen. Und das verkehrteste, was man tun kann, ist sich hinter einer scheinbaren moralischen Ehrenmauer zu verschanzen und jegliche Dialogfähigkeit über Bord zu werfen.

Es geht um Detailfragen. Es geht um Planlosigkeit. Es geht um die Problematik, wie man sich zum Beispiel gegenüber Menschen verhält, die Straftaten verüben und durch den “Flüchtlingsstatus” nicht zu Konsequenzen herangezogen werden (können).

Es gibt die Genfer Konventionen, welche jedem Menschen zusichern, nicht in ein “nicht sicheres Land” abgeschoben werden zu können. Demnach gibt es keine Obergrenze ohne geltendes Recht zu brechen. Das ist inhaltlich richtig und das sollte auch so bleiben.
In den Genfer Konventionen steht aber nicht, das eine Debatte über die Problematik verboten ist. Wir brauchen nun mal Lösungen, die das Grundrecht auf Gleichheit und Schutz auch wirklich Jedem zusichert.

Und wir haben offensichtlich keine Antworten und wir werden auch kein finden, solange man sich hinter einer überzogenen Ethik, einem verbohrten, radikalen und moralischen Verständnis oder gar einer traditionellen Gesinnung versteckt!
DAS liebe “Genossen” ist contra-produktiv! Und zwar im allerhöchsten Maße!

Diese radikal Linke Haltung, und ich betone RADIKAL verhindert den Diskurs, den wir alle dringend führen müssen! Diese Haltung macht Jeden zu einem “Rechts-Außen” der auch nur einen Gedanken daran verschwendet, beispielsweise straffällige Menschen mit Herkunft aus Kriegsgebieten abzuweisen, bzw. sich über Konsequenzen denen gegenüber Gedanken macht.

Planlosigkeit, Intransparenz, halbfertig gedachte Ausführungen, schüren letztlich die Phantasie im Außen, die “freie Interpretation”, den Fremdenhass und bedrohen die Integration der dankbaren Geflüchteten, welche eine große Mehrheit darstellen, enorm!

Ich habe 2015/2016 in einer Notaufnahmeunterkunft geholfen und mir die Situation Vorort sehr detailliert ansehen können. Diese Bewegung der Hilfsbereitschaft war das Wunderbarste, was je in der Deutschen Geschichte nach dem zweiten Weltkrieg hervorgebracht wurde! Und sie wurde dankend von den Schutzsuchenden angenommen und sehr viele hatten wirklich das Gefühl, sie könnten endlich zur Ruhe kommen.

Erzählungen von den Zuständen in deren Heimatländern brachten zu Tage, was an Gräueltaten kaum zu beschreiben ist. Nahrungsbeschaffung, Trinkwasserversorgung, medizinische Hilfe, rechtsfreie Räume sind nur Beispiele, hinter denen sich Erzählungen des dauernden Überlebenskampfes einfügten. Die Flucht, das Zurücklassen vom restlichen Hab und Gut und das gezwungene Entwurzeln zu tauschen um sich in Länder der Hoffnung aufzumachen, schien erreichbarer und sinnvoller, als noch einen Moment in der Düsternis zu verweilen.

Ob die Vorstellungen, wie es bei uns tatsächlich aussieht, der Wirklichkeit entspräche, ist belanglos. Denn alles wird besser sein, außer der Krieg.

Und es gab auch die “anderen”. Zur Begrüßung *Fuck You!*, vor die Füße spuckend, und fluchend sich gegen alles zu verweigern, was alleine nur den Aufnahmeprozess darstellte. Ich habe sie beobachtet und mir wurde Bange. Sie stellten sich nicht nur gegen uns, also die Gruppe des aus 70% Ehrenamtlern, 30% aus organisatorischen Fachkräften bestand, sondern bestahlen auch die anderen Geflüchteten. Sie boykottierten die Integration. Sie zettelten Streitereien in der Unterkunft an, wo es sich auch nur anbot. Sie warfen das ausgeteilte Essen in die Ecke und benahmen sich wie die Axt im Walde.
Doch es waren bei Weitem nicht so viele, wie es im Außen dargestellt wurde! Jedoch genug, um das Konzept der Hilfsbereitschaft auf eine harte Probe zu stellen.

Das diese “Streithähne” nicht nur den Frieden innerhalb der Unterkunft bedrohten, sondern auch noch zum Aushängeschild für einen pauschalisierten Fremdenhass werden würden, ist eben beschämend.

Es gab auch die Menschen, die nervlich am Ende waren, die dringend für traumatische Aufarbeitung Begleitung brauchten. Es gab Eltern, deren Kinder noch unterwegs waren und umgekehrt. Sie neigten nun mal auch dazu, bei dem selbst von uns kritisierten bürokratischen Blödsinn die Geduld zu verlieren und anderen Auslösern für den Lagerkoller.

 

Im Heute sehen wir das Problem leider wieder, das WIR durch mangelhafte Kommunikationsfähigkeit, durch blinden und amtlichen Aktionismus dazu beigetragen haben. Schon von Beginn an wurden Kritik am System ständig mit einer “latenten rassistischen oder faschistischen Gesinnung” beantwortet. Der Leitspruch wurde “Ja, aber..” – “Du bist kein Nazi, aber…”.

DAS ist keine Kommunikation sondern ein blindes um sich werfen mit Totschlagargumenten. Die gleiche Taktik, wie die Begründungen von uns Uschi zum STOP-Schild, gegen das wir so vehement vorgegangen sind. Und nun taten wir es selbst. Statt da irgendwann zu einer Umkehr zu kommen, wurde der Marsch geblasen, und zwar zur Hatz auf alles, was nicht zu 100% der eigenen Meinung war. Was im entferntesten irgendwelche abstrusen Restgene vom 3. Reich bewies.

Mal im Ernst! Wenn jemand zu einer Debatte aufruft und bei kritischen Fragen das Ganze wieder abbricht, wie würdet Ihr das bezeichnen?
Und wenn das beantwortet ist, mal an die Nase fassen und vor dem Spiegel einen Identitätscheck durchführen!

Und da wundert Ihr Euch wirklich, dass der Fremdenhass gewachsen ist? Er wurde durch genau diejenigen genährt, die sich so sehr davon distanzieren wollten. Das Gesetzt der Polarität. Ihr habt euch die selbsterfüllte Prophezeiung an die Wand gemalt und immer noch haltet Ihr daran fest. Was macht euch denn so unsicher in der Auseinandersetzung?

Was haben Sie zum Beispiel zum Brainstorming beizutragen, was keinen “Weiter-So”-Kurs darstellt? Was nicht dazu führt, das Teile der Bevölkerung nicht mitwachsen kann, das die Integration durch verbohrtes Denken scheitert?

Wenn das in Ihrem Sinne ist, wenn eine Radikalisierung für Sie ein kreativer Prozess ist, dann haben wir ein Problem!

WIR, das sind die Menschen, für die Demokratie vor allem Auseinandersetzung mit Problemen bedeutet und nicht etwa ein Verdrängen und Tabuisieren durch eine unverhältnismäßige Haltung, gekocht aus Angst, falscher Loyalität und traditionellem Einerlei!

Ich bin wirklich wütend über solche Denk-gebremsten Menschen, welche durch genau solche Aktionen verhindern, das eine Debatte stattfinden kann! Und ich bin deswegen wütend, weil die Arbeit derjenigen, die Zeit, Geld, Sachen und Nerven investiert haben um eine herzliche Willkommenskultur zu gestalten und der Welt zu zeigen, das Integration sehr wohl möglich ist, durch solche Aktionen mit Dreck beworfen wird!

Ich bin bei weitem nicht Rechts. Noch nie gewesen und werde es auch nie sein. Doch wer mir verbietet, Kritik an vereinnahmten “linken” Themen auszusprechen und mich dann als “Rechts” betitelt, ist für mich kein ernstzunehmender Gesprächspartner.

Ausgesprochen nachdenkliche Grüße!

PS.: ich wurde nun von den Erstellern dieses “offenen Briefes” auf Facebook geblockt. HmTja… 

Mobbing oder Rassismus: Was war der Grund für den Amoklauf?

Mobbing oder Rassismus: Was war der Grund für den Amoklauf?

(Foto: Tobias Hase, dpa)

Mobbing oder Rassismus? In München streiten sich Wissenschaftler und Ermittler über die Gewichtung der Motive des Attentäters vom Olympia-Einkaufszentrum. Von Henry Stern
Augsburger Allgemeine: http://tinyurl.com/ycc47tgv

Interessanter Ansatz!

Ich weiß, das ich mir Feinde mache, wenn ich die Erwägung in Betracht ziehe, auf das Motiv eher kritisch und nachhaltig “nicht zu Ende gedacht” reagiere.

Es stand ja schnell fest. Die oberflächlich gesammelten Erkenntnisse lassen einen Rückschluss zu, das die Tat sich in bereits im Trend liegende Schubladen packen lässt, und gut ist’s. Fall abgeschlossen.

Vorrangig geht es im die Anteilnahme für die Opfer, um eine schnelle Trauerarbeit zu fördern. Soweit so gut. Dem schließe ich mich uneingeschränkt an.
Ich kann nur erahnen, was es an Leid, Leere und unbeantworteten Fragen bedeutet, ein Familienmitglied oder Freund bei einer öffentlichen Eskalation wie einen Amoklauf oder sonstige Gewaltanschläge zu verlieren!

 

Dennoch ist durch eine fehlerhafte oder zu schnell getroffene Motivation die eigentliche Ursache und dessen Aufklärung ebenfalls ein Closed-Case.
 
Doch genau da hat meiner Meinung nach die Gesellschaft und deren Regierung eben ihre Mitverantwortung.
Wir leben eine zunehmend sehr oberflächliche Lebensweise. Zu oft wird weggesehen, wenn Unrecht im “Kleinen” geschieht und sich entrüstet, wenn solche Situationen in einem Massaker enden.
 
Wie oft wurden in der Vergangenheit als Gründe für Amokläufe “Ego-Shooter-Games” genannt, und hinterher doch dementiert. Wir nehmen uns keine Zeit mehr, Ursachen zu ergründen sondern “holen uns lieber was von Ratiopharm” zur Linderung der Symptome. Wohl wissend(!), das damit die Auslöser ignoriert werden.
 
Mobbing” ist eine Bezeichnung für ein aus verdammt vielen Faktoren bestehendes Verhalten, welches sowohl beim Opfer als auch bei den Tätern liegt. Und mit beinahe gebetsmühlenartigen Mantras wird seit Jahren darauf hingewiesen, wie wir uns als Individuen ganz persönlich zu Mittätern machen.
 
Offen gelebtes Mobbing begleitet unsere Kinder von klein an, ab dem Moment, in welchem sie unseren Schutzraum verlassen und in öffentliche Orte geführt werden.
Wenn wir darin nicht eine sensiblere Aufgabe erkennen, gerade auf Ungerechtigkeiten gesund zu reagieren, zementieren wir im Endeffekt nur Mobbing als Bestandteil unserer Kultur.
 
Und das kann in niemandes Interesse liegen!

 

Offener Brief an Kanzlerin Merkel

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Angela_Merkel_Juli_2010_-_3zu4.jpg

Wiki Commons Angela Merkel

Sehr geehrte Frau Dr. Angela Merkel,

in Ihrer Position als Bundeskanzlerin appelliere ich an Sie zur Sache des Vertrauens und dessen Bildung im Volke!

Zur Einleitung einige Zitate:

Ein Staat kann nicht selbst handeln, er braucht Personen (meist Mitglieder von Parteien) als Staatsorgane, die stellvertretend für ihn handeln. Die höchsten Organe der Bundesrepublik, die obersten Staatsorgane (Bundesorgane) sind direkt im Grundgesetz aufgeführt.”

und

“Richtlinienprinzip / Kanzlerprinzip (Artikel 65 S 1 GG)
Die Bundeskanzlerin oder der Bundeskanzler bestimmt die Richtlinien der Politik (Richtlinienkompetenz) und trägt dafür die Verantwortung.
Sie oder er ist „Chef der Bundesregierung”.”

In diesem Sinne stelle ich mich als rechtschaffenden Bürger bei Ihnen vor:
Mein Name ist Andreas Appenheimer, ich bin Bürger der Bundesrepublik Deutschland und lebe gerne hier.
Ich bin Baujahr 64, also 10 Jahre jünger als Sie. Ich engagiere mich sehr im Ehrenamt, welches sich nicht nur auf Tätigkeiten in solch benannten Positionen bezieht, sondern auch im Sinne von Wissensbildung und kultivierter Hilfsbereitschaft.

Sie bauen auf das Ehrenamt. Das ist großartig. Denn dadurch erhalten wiralso alle ehrenamtlich tätigen Bürger – in gewisser Hinsicht ein kleines Stück Bestätigung, für die auch mit Ihren Worten benannte “unbezahlbare Arbeitsleistung an und für die Gesellschaft“.

In den letzten Jahren wird es jedoch zunehmend schwerer, den Bürger dazu zu bewegen, sich den freiheitlich demokratischen Grundregeln zuzuwenden, denn das Vertrauen darin, das der Bürger (also jeder einzelne vom Volk) ernst genommen wird, schwindet mit jedem Gesetz zur Unmündigkeit, zur Überwachung und ausufernden Rechtslage bestehender Gesetze.

Sie ahnen nichts von der Mühe, wenn ich Ihnen sage: “WIR haben alle Hände voll damit zu tun, die Demokratie attraktiv zu halten!

Sicherlich sind mir die diplomatischen Verstrickungen bewusst, in dessen Rahmen Sie sich nur bewegen können. Zwar nicht in Gänze inhaltlich, jedoch vom Prinzip her durchaus. Dennoch kann das Volk, welches Sie repräsentieren nur hinter Ihnen stehen, wenn Sie sich transparent zeigen, wenn Sie Verständnis für die tausenden von Fragen haben, wenn Sie das Volk ernst nehmen und wenn sie Ihren Ministern richtungweisend vorstehen.

“Ein Teil der Antwort würde die Bevölkerung nur verunsichern” ist genau das Gegenteil von dem, was ich damit meine.

Das Volk ist kein Kindergarten, in welchem man sich in Zweierreihen an den Straßenverkehr heran tastet, sondern es besteht u.a. aus akademisch anerkannten Amtsträgern, aus empathischen Bürgern, aus hilfsbereiten Menschen, die alle nicht mit 20, 30 oder 50 Jahren fertig aus dem Wandschrank gefallen sind. Das Volk ist mündig. Darin sind wir beide uns doch einig, oder?

Zugegeben, das was durch die zusammen gesparte Bildungspolitik verursacht wurde ist nicht gerade ein Prunkstück. Sie wissen auch sicherlich, dass nicht jeder in der PISA-Studie eine Auflistung von Rechtschreibfähigkeiten oder Mathematikkenntnisse sieht. Das Ergebnis der PISA-Studie kann man einerseits als mehr oder weniger “nichtssagende Statistik-Grafik” der Presse überlassen oder man sieht sich das aktuelle Wahlergebnis an.

Beispielsweise sollte Geschichtsunterricht eben mehr sein als das leblose Auswendig lernen von irgendwelchen bezeichnende Datumsangaben.
Es wäre doch sehr praktisch, das über den Geschichtsunterricht Grundlagen gebildet werden, um den Schützlingen die Möglichkeiten zu bieten, Zyklen und Zeitachsen zu erkennen, die im Bezug auf Wiederholungen von Dekadenz, fehlinterpretierter Sicherheit, einseitig glorifiziertes Wirtschaftsinteresse zu genau solchen Katastrophen im Jetzt führen.

Ich weiß es nicht, ob solche Zeilen in Ihrer Arbeit als Kanzlerin für ein paar wenige Minuten Raum finden. Ich bin mir sehr darüber bewusst, dass Ihre Arbeitswoche keine tarifliche 39,5 Stunden hat und das die Verantwortung auch global gesehen immens ist. Ein falsches Wort oder ein unüberlegter Witz bei einem Außentermin kann fatale Folgen für uns hier in Deutschland haben.

Daher appelliere ich an Sie als Mensch!

Beziehen Sie uns bitte wieder vollwertig mit ein. Wir sind keine gefährlichen Menschen.
Manchmal vielleicht etwas nervig, weil wir Fragen stellen und uns nicht mit einer lapidaren Antwort zufrieden geben. Auch neigen wir dazu, uns zu empören und auf Demonstrationen hunderttausende an Menschen zu mobilisieren. Doch das tun wir, um unsere Stimme zu verstärken… ihr lauter Gehör zu verschaffen.
Wenn Sie uns helfen zu verstehen, was und warum Sie bestimmte Entscheidungen treffen, wenn Sie uns gestatten Fragen zu stellen und auch mal  Entscheidungen hochgradig kritisch zu betrachten und auch anzufechten, die wir als “mit heißer Nadel gestrickt” oder gar einseitig “lösungsverliebt” halten, dann erhalten Sie im Gegenzug mit uns auch ein Volk, mit welchem Sie wieder in der EU werben können, als eine Gemeinschaft, die aus mündigen, verantwortungsbewussten Bürgern besteht.

(PS.: die finale Version für die SackPost ist noch in Arbeit 🙂 )

In diesem Sinne…

… mit freundlichen Grüßen

Andreas Appenheimer
Witten, den 11.10.2017

Die “4-Jahres-Frist”

Die 4-Jahres-Frist ist mein Titel für die Zeit zwischen Bundestagswahlen 2017 und 2021.

Wenn wir es in dieser Zeit nicht hinbekommen, die Demokratie derart neu zu beleben, dass ein Bürger vor der nächsten Wahl immer noch so desinformiert ist, um einen Wahl-O-Maten nach den Inhalten zu befragen, haben wir verloren.

Es gibt verschiedene Themen, welche für den Wahlkampf ausgesucht wurden und andere, die genau nicht dafür “taugten”. Der Wahlkampf glich einem Theaterspiel aus Talkshows und Wahlprognosen-Pushing und lieferte hunderte von Steilvorlagen zur Entrüstung. Wir machten es den “Amis” gleich, wir versuchten zu diskreditieren, zu hämen, zu demütigen. Der Kampf um jede Stimme war verbal-blutig und hinterher kam es für alle dann doch anders.

Das Ergebnis war eine Ohrfeige, und zwar an alle. An die etablierten Parteien, an die Protestwähler, an die strategischen Wähler und an alle, die sich mehr oder weniger begründet aus dem politischen Diskurs seit langem heraus halten, also die sturen Nicht- und Gewohnheitswähler.

Und das Desaster ist, DAS halten scheinbar die meisten für Politik. Und durch unsere Verrohung in der Sprache, gerade im Internet, bilden wir uns ein, jetzt mal richtig auf die Pauke zu hauen wäre mit “muss mal doch mal sagen dürfen” die Meinung gegeigt, und fertig.

Statt entgegen zum Bundestagsspektakel die richtigen Fragen zu stellen und beharrlich die Beantwortung einzufordern, zeigen wir eine derart fiese Fratze und bewerfen uns mit Feindbildern, zementieren Spaltung und üben uns im immer weiter fortschreitendem radikalen Extremismus, das es nur so kracht.

Da werden mal eben auch alle als Feinde eingestuft, die kritisch nicht alles in eine Nazi-Ecke werfen oder werden zu Gutmenschen, weil sie ein Asylrecht für notwendig und wichtig finden. Eine inhaltliche Auseinandersetzung findet nicht mehr statt.

Jüngst werden nun die Ostdeutschen pauschal abgestraft, für das Spiel mit dem Feuer zur Rechenschaft gezogen.

“Und dennoch müssen wir jetzt, alle miteinander, klarkommen damit, dass viele Leute AfD gewählt haben. Dafür gilt zuerst: durchatmen, liebe Westdeutsche! Das Gute ist, dass wir jetzt darüber reden können.”
http://www.zeit.de/2017/41/afd-osten-behandlung-waehler-rechtsextremismus

Wir können nun so weiter machen, uns auch lauthals darüber beschweren, das alle so weiter machen, auch die Regierung zieht es vor, so weiter zumachen und uns allen gegenseitig für die nächsten Jahre das “#Weitermachen” vorwerfen. Wir scheinen uns nicht im Klaren zu sein, dass #weiterso auch unsere Art zu Leben mit einschließt!

Denn damit hätten wir nur bewiesen, dass wir eine Demokratie weder verstanden haben noch bereit sind, sie gesund zu ernähren. Wir hätten bewiesen, das “links”, “rechts”, “oben” und “unten” nur noch über ein primitives Schuldverständnis verfügt und das Auseinandersetzung so uncool und außerdem anstrengend ist. Zu aufwendig und viel zu kompliziert.

Und ich behaupte, dass dies nicht stimmt!
Der Bürger trägt seinen Anteil darin, dass er mit “Geiz ist Geil” auch die Investition seiner Lebenszeit in die Gemeinschaft vernachlässigt hat. Generationskonflikte bleiben trotz unserer Möglichkeiten durch Intelligenz bestehen. Konsumverhalten wird nicht hinterfragt. Radikaler Individualismus wird als Zeichen von intellektueller Selbstpräsentation und “eigene Meinung” gefeiert und überschminkt die diffus fehlende Anerkennung aus der Gemeinschaft. Die durch UNS vorangetriebene Arm-Reich-Schere wird mit Statussymbolen der Rücksichtslosigkeit und Dekadenz untermauert.

Was wir brauchen, sind zum Beispiel ganz dringend Orte, an denen wir wieder lernen, unsere Meinungen mit Wissen abzugleichen. Wir sollten lernen, dass eine andere Meinung zu haben kein Verrat ist, keine Behinderung die man weg therapiert oder missionieren muss, sondern dass sie lediglich gehört werden will um dann darüber zu reden.

Wir sollten lernen, dass das Leben nicht ausschließlich digital abläuft, sondern auch analog. Kommunikation ist ein wesentlicher Bestandteil einer Demokratie. Meinungsaustausch kann Standpunkte aufzeigen und den eigenen Horizont erweitern. Meinungen muss man nicht zwangsläufig zustimmen oder sie vernichten. Es sind zunächst nur Blickwinkel. Nichts mehr oder weniger.

Jürgen Wiebicke schrieb in seinem Taschenbuch “Zehn Regeln für Demokratie-Retter”:

“Wir sollten uns klarmachen: Wenn wir Klagen anstimmen über “die” Politiker, haben wir die halbe Strecke auf dem Weg ins populistische Denken schon geschafft. Dann verzichten wir auf Differenzierungen, genauso wie die AfD, die nur noch “Altparteien” kennt.”

Und genau deswegen sollten wir uns daran beteiligen. Nicht nur die Politiker sind gefordert, den Stimmen zuzuhören, auch wir sind gefordert eine Stimme zu geben. Jedoch inhaltsvoll und formuliert statt Gegröhle.

Lasst uns die Sprache wieder entdecken und lasst uns zur Demokratie stehen. “[..] Sie ist eine Lebensform. Wir haben vergessen, wie attracktiv sie ist[..]”.

4 Jahre…  wir haben vier Jahre dafür!

 

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