Mal ganz abgesehen davon, das die Suche nach weiteren Piratenfernen Themen scheinbar kein Ende nimmt, ist die neue Positionierung zu Glyphosat nun ein echtes NoGo.

Ich dachte zunächst, ich seh’ nicht richtig und laß mich in das Posting ein und auch in die neuen Berichte über Glyphosat, die proklamieren, “Man solle das jetzt nicht pauschal verteufeln”.

Doch die Bestätigung, das mein Impuls der Empörung das schon richtig erkannt hat, folgte auf dem Fuße.

Mich ärgern hier jetzt mehrere Dinge:

  1. Die Vereinnahmung von Themen in das Parteiprogramm der Piraten, welche den “Machern” offensichtlich den kausalen Zusammenhang zwischen der absoluten Positionierung und der daraus folgenden Ausgrenzung von Mitgliedern nicht klar wird,
  2. Themen, die sogar von Greenpeace und anderen Organisationen, welche die Wechselwirkung im Gesamtbild “Umwelt” jahrelang kritisch untersucht haben, werden nun als pauschale Verteufelung bezeichnet,
  3. Mitgliederzahlen- und Wählerschwund keinerlei Bedeutung hat.

Mich ärgert das deswegen, weil ich aus der Zeit stamme, wo die Piratenpartei in Gründung war und wir damals schon anmahnten, bei digitalen Themen zu bleiben. Und solange wir das taten hatten wir Zulauf. Als wir damit aufhörten um mehr Wähler und Mitglieder zu bekommen, jedes “nicht-digitales” Thema integrierten, “um ein breiteres Spektrum” zu bedienen, wurden die Piraten zu einer gesichtslosen Partei, die eines mit den etablierten Parteien gemeinsam hat: Einerlei, Einheitsbrei!

Ich kann Pirat sein und links sein, ich brauche aber keine linke Piratenpartei.
Ich kann Pirat sein und für das BGE, jedoch keine Piraten-BGE-Partei.

Diese Liste kann ich fortsetzen. Ich kann auch fortsetzen, das ich eine äußerst kritische Haltung gegenüber der Schulmedizin habe, ohne sie pauschal zu verteufeln. Ebenso habe ich eine äußerst kritische Haltung gegenüber der Nahrungsmittelindustrie, in der ich den Aktionismus von Konzernen wie MONSANTO, Nestle & Co sehr genau unter die Lupe nehme. Kritisch deswegen, weil die Ursachen durch unüberlegte, lösungsverliebte und gefährliche Methoden als Lösungen “verkauft” werden, welche dann weitere Probleme verursachen, welche mit noch absurderen Lösungen beantwortet werden.
Diese Themen, also beispielsweise Schulmedizin und Nahrungsmittelindustrie interessieren mich als Bürger. Nicht jedoch als Pirat!
Für einige ist das wohl nicht verständlich. Sei es drum, denn denen kann ich das sowieso nicht erklären, weil sie es nämlich nicht verstehen wollen.

Der Unterschied ist eben, das meine persönliche Meinung zu $Dingen nicht gleichzeitig sofort als Programmziel (im Piratenprogramm) stehen muss. Denn das bedeutet im einfachen kausalen Umkehrschluss, das jeder Pirat das mittragen muss. Vollkommen unabhängig welchen inhaltlichen Informationsstand ICH habe! Und das genau ist das Drama.

Letztlich, durch diese Aktion, die so offensichtlich eine dramatisierte Symptombekämpfung als “wichtiges Thema für die Piraten” gewünscht wird, ist mir klar geworden, die Piraten sind tot.

Schade um die 2 Monate Arbeit nach der Bundestagswahl 2017 und die wiedereinmal verheizten ehrenamtlich arbeitenden Mitglieder. Aus Fehlern lernen scheint wohl bei den Piraten in einem anderen – sich mir nicht eröffnenden – Kontext zu stehen.

Eine Diskussion scheint mir unmöglich, da ein aktives Zuhören verlernt wurde und statt dessen mit gewohnter “überzeugenden Argumentation” geantwortet wird, welche lediglich den persönlichen Teil der Abneigung bzw. Haltung widerspiegeln, nicht jedoch das größere Ganze.

Man sollte sich in einer ruhigen Minute mal fragen, ob all das, was der AfD seit nun 4 Jahren vorgeworfen wurde, inzwischen nicht schon selbst praktiziert wird.

Ich bin dann endgültig raus.