System-Anomalie

Wer hat das Lenkrad?!

Monat: November 2017

“Das bringt doch nix!”

In welcher Gesellschaft möchtest Du leben?

(Foto: Bernd Schäfer, LPM. Das haben wir doch alles schon! Was kriegen wir dafür? Das Alte hat sich bewährt! Das haben wir noch nie gemacht! Das bringt doch nichts!)

Ein paar Gedanken zum Kaffee #01 😉

Vor ein paar Tagen wurde ich auf ein Projekt aufmerksam, welches mich sofort begeistert hat. Es geht um eine App, die gesellschaftspolitische Bürgerteilhabe verspricht und meinem “sich Einmischen wollen” im Großen und Ganzen erst einmal gerecht wird.

Nachdem ich artig beim Crowdfunding mitgemacht habe, bewarb ich mich dort auch noch als “Botschafter“.  In Gedanken: ‘Ja, das passt zu mir. Ich empfinde mich als jemanden, der die Botschaft zu seiner Leidenschaft der Demokratie in die Welt hinaustragen möchte‘.

Guten Gewissens, wieder einmal meinen Beitrag an und für die Gesellschaft, also die Gemeinschaft in der ich lebe zu leisten, machte ich mich sofort daran, mir einen Plan zu überlegen, wie ich den Rest der Welt ebenfalls dazu überzeugen kann, sie für die Demokratie zu begeistern.

Aus meiner Erfahrung, zum Beispiel mit der organisierten Gesprächsrunde “The Great Debaters” wusste ich schon, das in dem Moment, wo es um das ganz praktische Handeln geht, die Menschen fern bleiben, die ich auch den sozialen Netzwerken so kenne.

Auf Facebook, auf Twitter erlebe ich gefühlt eine unglaublich hohe Beteiligung an gesellschaftspolitischen Themen. Jeder hat seine Meinung, was schief läuft, was man verbessern könnte, was gar nicht geht. Empörung an vielen Ecken. Emotional und gefühlt wahrhaftig.

“Klasse”, denke ich mir. “Und hier haben wir endlich auch wieder was zum Mitmachen!” und frohen Mutes präsentiere ich wieder einmal ein Projekt, welches die gelebte Demokratie in jeder Faser ausdrückt.

Doch dann kommt die Enttäuschung. “Meinste, das bringt was?” – “Demokratie gibts doch gar nicht mehr” – “Das haben schon ganz andere versucht!” – “Sag Bescheid, wenns los geht” – “Oh, da hab ich jetzt ja mal gar keine Zeit für“.

Um mich jetzt komplett entmutigt oder desillusioniert zurück zuziehen, steht mein inzwischen herangewachsenes Wesen dagegen. Mein Leben bestand aus zu vielen Rückschlägen und Neuanfängen, die im Nachhinein viel besser waren als das, was davor zusammen gebrochen ist, als das ich jetzt damit anfangen würde aufzugeben.

Doch die Frage, warum es so eine gewaltige Kluft beim gesellschaftlich gemäßigten Menschen gibt, zwischen der Empörung und dem Handeln, das will mir irgendwie nicht wirklich in den Kopf.

Klar, könnte ich jetzt mit allerlei abwertenden Begriffen um mich werfen, sowas wie “Kein Arsch in der Hose, wenns ums Machen geht” – “Große Klappe – Nix dahinter”.
Doch das wäre zum einen kontraproduktiv und zum anderen muss da mehr dahinter stecken, als das ich es so einfach be- und verurteilen könnte.

Was ist es also, was uns beim Handeln so abschreckt. Warum sind wir verbal bereit, die ganze Welt umzuschmeißen und neu zu erfinden und sind beim Startschuß nicht an der Startlinie?

Vielleicht muss ich die Frage auch nicht beantworten, sondern jeder für sich selbst, wenn er seinen nächsten revolutionellen, sensationellen, offenbarenden Text verfasst, um ihn in die Welt zu schubsen 🙂

Ich kann für meinen Teil sagen, dass solange die Demokratie wenigstens auf dem Papier steht, in diesem “unseren” Land, solange werde ich die Dinge tun, die mir dort als Werkzeuge in die Hand gegeben werden. Auch wenn so viele Zweifler unsere politische Landschaft nur noch als Supermarkt der Eitelkeiten empfinden (und sie ahnen ja nicht, wie oft ich dem doch zustimme), muss es nicht im Umkehrschluss bedeuten, das man da tatenlos zusehen muss.

Jeder Mensch hat wohl ein Recht darauf, sich zu ärgern. Aber niemand ist dazu verpflichtet 🙂

Ich für meinen Teil setze die Energie lieber in Handeln um. Manchmal ist es gar nicht so schwer.

Straßenverkehrsdebatte, wer braucht mehr Rechte?

Ein paar Gedanken zur Debatte bei WDR5:

Münster zählt zu den Großstädten in NRW mit dem höchsten Unfallrisiko. Wenn hier Fahrradfahrer, Autofahrer und Fußgänger aufeinander treffen, dann kracht es – leider nicht nur verbal. Fast jedes zweite Unfallopfer in Münster ist ein Radfahrer.

Woher kommt das? Wird etwa der Streit um den Klimaschutz direkt auf der Fahrbahn ausgetragen? Oder drängeln sich Radfahrer, Autofahrer und Fußgänger schlicht auf zu engem Raum?

Im WDR 5-Stadtgespräch aus Münster wollen wir den Ursachen für den Stress auf der Straße auf den Grund gehen, fragen was jeder Einzelne und was die Stadt tun kann, um die Lage zu entspannen.

(Foto: WDR5)

Danke für diese Vorlage in dem Titel: ” [..] Oder ist der Raum für alle schlicht zu eng? [..] “

Ich denke, an dieser Stelle bzw. mit dieser Betrachtung kommen wir am schnellsten zu einer Lösung.

Das Suchen der Schuld beim Anderen ist aktuell wirklich eher hinderlich und führt nur zu Spaltung und weiterer “begründeter” Rücksichtslosigkeit.

Nicht selten empfinde ich persönlich den Straßenverkehr mehr als Überlebenskampf, als Stressfaktor und nicht mehr als Notwendigkeit um von A nach B zu gelangen. Von einem Fahrerlebnis, welches ich von vor 20 Jahren kannte mal ganz zu schweigen.

Es ist inzwischen vollkommen egal, welcher Verkehrsteilnehmerpartei ich angehöre: Fußgänger, Radfahrer, motorisierter Zweiradfahrer, PKW oder LKW. Rücksichtsloses Verhalten ist überall zu sehen. An guten Tagen nimmt man Rücksicht auf schwächere Teilnehmer, an schlechten Tagen müssen die dran glauben.

Da ich davon ausgehe, das in jeder Fahrschule in Deutschland defensive und vorausschauende Fahrweise gelehrt und gemahnt wird, unterstelle ich jedem Führerscheinbesitzer, das er sehr genau weiß, was er da tut. Jede Unachtsamkeit, jedes “ich hab jetzt keine Zeit für sowas”, jede Überschreitung vom Tempolimit wird mit vollem Bewußtsein entschieden und genauso gerechtfertigt.
Das gleiche gilt auch für Radfahrer und Fußgänger, keine Sorge, das lasse ich nicht aus 🙂

Doch zur Debatte stünde eher, das sämtliche Ballungszentren aus allen Nähten platzen und der Individualverkehr an seiner endgültigen Grenze angekommen ist.

Nicht nur die bewegten Fahrzeuge, sondern auch die abgestellten und geparkten nehmen den Platz. Wenn die Straßen keinen Bürgersteig mehr haben um den Fluß zu ermöglichen, kommt es dennoch zum Stau im Berufsverkehr. Verkehrsplaner finden keine langfristigen Lösungen mehr. Und das ist eben auch kein Wunder.

Trotz diesem klar belegten und x-mal analysierten Faktums werden trotzdem weiterhin Fahrzeuge neu zugelassen und (Achtung: “links-versifft”) sind Zweit- und mehr Fahrzeuge pro Haushalt nicht unbedingt die Seltenheit.

Wer erst einmal in einem eigenen Auto gesessen hat, (nochmal “links-versifft”) möchte sich nicht mehr in die überfüllten ÖFis setzen, nicht mehr auf seine musikalische Beschallung verzichten oder welche Gründe es dafür nicht alles gibt, den Individualverkehr unantastbar als notwendig zu bezeichnen.

Die Gesellschaft braucht dringend ein Umdenken, eine Verkehrswende. Themen wie Verkehrsvermeidung oder die Wahl des maximal notwendigen Fahrzeugs sollten zukünftig in den Fokus rücken. So könnte dann vielleicht ein Schuh draus werden.

Wenn wir die Schuld beim anderen suchen und unreflektiert die eigenen Vorlieben als vorrangig erachten, werden wir leider keine Lösung finden, die ALLEN Teilnehmern gerecht wird.

Die Sache mit dem “Hessentrojaner”

Wenn es um IT-Technik, “Cyber*”, Datenschutz und -Sicherheit geht, fallen bei vielen Bürgern oft schon die Augen zu. Diese Themen werden erwartet mit trockener Theorie, unverständlichen Algorithmen und “das ist doch so ein Nerd-Zeugs?!”

(Foto: Quelle Kaspersky)

Ich möchte den Versuch wagen, die Problematik rund um den “Hessentrojaner” leicht verdaulich aufzubereiten.

Dabei werde ich jedoch um gewisse Fremdworte bzw. Fachbegriffe nicht herum kommen:

  • Zero-Days-Exploits
  • Trojanisches Pferd
  • Spyware
  • Datensicherheit in der IT-Infrastruktur

Zu Beginn jedoch, was ist der “Hessentrojaner”, bzw. was steckt dahinter.

Hinter dem Begriff “Hessentrojaner” verbirgt sich ein Gesetzesentwurf zur Legitimation, eine staatlich entwickelte Software einzusetzen, die den Zugriff auf entfernte Computer ermöglichen soll. Normalerweise wird dazu die Einwilligung des Besitzers benötigt, welcher dann im weiteren Verlauf im System den Zugriff erlaubt. Entweder durch Preisgabe von Benutzerzugangsdaten zum gesamten Computer, durch entsprechende Regeln in der Firewall.

Der Plan ist jedoch, diesen Zugriff geheim zu halten, zu einem beliebigen Zeitpunkt ausführen zu können, auf beliebige Daten (also vollkommenen) Zugriff zu haben und bei Bedarf weitere Software installieren zu können.

Das Argument ist, das dies zur Abwehr von Terror und zur Aufdeckung von Kriminalität dienen soll, da sich Kriminelle heutzutage eben auch mit Computer und Internet vernetzen, also diese Medien benutzen.
Soweit, so gut.

Die Konsequenzen, dieses Gesetz zu verabschieden bedeutet jedoch, das es langfristig einen nicht abschätzbaren hohen Schaden an der Sicherheit des Landes verursacht, also einen Bärendienst erweist!

Es geht nicht um den Einsatz von Überwachungssoftware bei “Gefahr im Verzug“, sondern als Erlaubnis zum generellen Einsatz, bei jedem Bürger, auf jedem System!

Warum das so ist, muss im Zusammenhang mit der Realisierung einer solchen Software und dem heimlichen Installieren selbiger auf einem Zielcomputer betrachtet werden.

In TV-Serien wie zB. “Navy CIS” wird einem Glauben gemacht, der “Gute” – also der Geheimdienst – drückt auf “Install Software” und alles ist erledigt. Dem ist bei Weitem nicht so.  Um Zugriff auf einen entfernten Rechner zu bekommen, müssen sich Geheimdienste genau die Methoden aneignen, welche von Hackern benutzt werden, um das gleiche Ziel zu erreichen.

Nicht selten werden Hacker von Geheimdiensten angeworben oder an IT-Universitäten rekrutiert, denn die Anforderungen an jemanden, der in der Lage ist, Schwachstellen in Systemen zu finden und auch entsprechend auszunutzen, ist weit über dem Durchschnitt der Fähigkeiten von Absolventen “normaler” IT-Spezialisten. Doch diese sind eben durch ihre Qualifikation sehr teuer.

Damit kommen wir zum ersten Fachbegriff: Exploits

Der Begriff “Exploits” wird seit jeher verwendet, wenn Schwachstellen in Betriebssystemen und Software gefunden wurden und (das ist wichtig!) offengelegt werden. In aller Regel sind diesen Exploits rekonstruierbare Auslöser beigefügt, also unter welchen Umständen der Fehler auftaucht.

Das Offenlegen soll mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Administratoren von Systemen, Benutzer von Software und auch die Entwickler können darauf schnell reagieren und möglichst zeitnah die Sicherheitslöcher zum Beispiel durch Sperren schließen. Entwickler werden so zu zeitnahen Updates gedrängt und sicherheitsbewusste Benutzer können vorab Informationen über die Qualität einholen, um bei Entscheidungen relevante Hilfe zu erhalten.

Als “Zero-Days-Exploits” werden frisch gefundene Schwachstellen bezeichnet, welche noch keinen (also NULL-Tage) Tag alt sind. Deren hauptsächliche Eigenschaft ist es: es gibt noch keine Gegenmaßnahmen!

Bestimmte Gruppen haben ein sehr hohes Interesse an diesen Zero-Days-Exploits, also höher als gewöhnlich. In der sogenannten Untergrund-Szene werden diese Exploits sogar teuer gehandelt. Es steht immer zur Debatte, einen Exploit nicht zu veröffentlichen, sondern für eine Gegenleistung (Geld, Straffreiheit, Informationstausch, Erpressung) geheim zu halten. Es existiert also ein Markt, der vergleichbar ist mit Drogen, Waffen, Informationen und dergleichen mehr.

Mal ganz abgesehen von der Annahme, das unser Staatsschutz auf diesem Markt V-Männer beschäftigen muss, um an diese Zero-Days-Exploits heranzukommen, diese mit den eben genannten Gegenleistungen auslösen muss, bleibt eine bittere Pille übrig: der ursprüngliche Sinn der Exploit-Datenbanken, Schwachstellen zu veröffentlichen um eine IT-Sicherheit zu gewährleisten bzw. zu unterstützen wird ausgehebelt. Und das betrifft weltweit alle Benutzer, Administratoren von IT-Systemen. Nicht nur der Bürger mit seinem PC, Tablet oder Smartphone, sondern auch Kraftwerke, Krankenhäuser und (fremde) Regierungsnetzwerke.

Ein weiteres Problem besteht, wenn der BND selbst Opfer eines digitalen Angriffs wird, und als Eigentümer von Hackertools diese letztlich “staatlich legitimiert” wieder von anderen genutzt werden können (siehe auch Snowden-Enthüllungen, NSA). Die Worest-Case-Szenarien sind hier grenzenlos!

Nundenn, wir gehen davon aus, das der Staatssicherheits- bzw. Bundes-Nachrichtendienst erfolgreich einen unbemerkten Zugriff auf einen Zielrechner hat. Während dieser Rechner abgehört, durchsucht und ausgewertet wird, werden auch Metadaten und Kontakte, welche vollkommen unerheblich sind gespeichert. Dies wird nur in der aktuellen Falllage von Menschen übernommen, meistens jedoch von weiterer Software ausgewertet und je nach Relevanz zusammengefügt.

Solange der BND sich hoheitlich gibt und sich einer Prüfung seiner Arbeit verweigert, besteht die Gefahr, das Fehlentscheidungen beim offenen Vollzug – seien es Routinekontrollen oder gar Entscheidungshilfen in der Ergreifung – bestehen. Vollzugsbeamte haben nicht die Möglichkeit, die Daten zu verifizieren.

Dieser Umstand ist sehr skeptisch zu betrachten!

Trojanische Pferde

Damit die staatliche Überwachungssoftware auch auf dem Zielsystem geheim bleibt, ist es u.a. notwendig Anti-Viren-Software zu umgehen und andere Auffälligkeiten zu verhindern. Um dies bewerkstelligen zu können muss sich also der BND direkt an der AV-Software zu schaffen machen, sein eigenes “Trojanisches Pferd” – also getarnte Software – sogenannterweise “whitelisten” und diese Handlung verschleiern.

Bei jedem Update (teilweise aktualisieren AV-Software-Systeme sogar stündlich) muss gewährleistet sein, das der Trojaner weiterhin erlaubt bleibt und seine Existenz verborgen.

Dies ist nicht so ohne weiteres möglich!

Ich habe noch nicht die wesentlich höheren Anforderungen bei UNIX-/Linuxbasierten Systemen angesprochen. Dort wird das Ganze zwar schwieriger, jedoch technisch wesentlich anspruchsvoller.
Letztlich: Kein System ist Sicher!

Außerdem habe ich nicht angesprochen, welche benachbarten Systeme bzw. Computer, Router, Smartphones, IoT-Geräte, heimische IP-/Webcams ebenfalls kompromittiert werden und nach einer “Beendigung” der Maßnahme in den Urzustand zurückgesetzt werden sollten.

Dieser Artikel beschäftigt sich tatsächlich nur sehr oberflächlich mit der Gesamtproblematik zum Hessentrojaner, seiner Varianten und der Kritikfähigkeit vom BND. Doch sollte er zumindest eine leicht verständliche, kleine Sicht hinter die Kulissen ermöglicht haben.

Noch eine kleine Anmerkung:
Diese Information könnten Sie nicht sehen, wenn die Netzsperren angewendet und der BND hierfür einen Grund nennen würde.


Weiterführende Informationen:
Analyse Gesetzesentwurf
https://restgedanken.de/hsvg-teil-1-gesetzentwurf-fuer-das-neue-hessische-verfassungsschutzgesetz/

Analyse Bundestrojaner
http://www.ccc.de/de/updates/2011/staatstrojaner
http://www.ccc.de/de/tags/staatstrojaner
https://www.heise.de/newsticker/meldung/CCC-knackt-Staatstrojaner-1357670.html
http://ijure.org/wp/archives/727
https://media.ccc.de/v/camp2015-6995-staatstrojaner_in_karlsruhe

Snowden /
NSA-Leak, “Stolen Hackertools from NSA”
https://theintercept.com/2016/08/19/the-nsa-was-hacked-snowden-documents-confirm/
https://www.theguardian.com/us-news/the-nsa-files
http://www.businessinsider.de/snowden-confirm-hacked-nsa-files-2016-8?r=US&IR=T
https://thehackernews.com/2016/08/nsa-hacking-tools.html

Gewalt als Erziehungsmodell?

Auf Facebook stieß ich auf dieses Bild und klar fielen mir auch die leidigen Sätze ein, die ich damals zu hören bekam.

Zu “meiner” Zeit war die Tracht Prügel oder der “Hinternvoll” durchaus übliche Methoden, um ein Kind zu bändigen, zur Ordnung zu rufen oder eben schlicht “zu erziehen”.

“Mach mal die Augen zu, dann weißte was ‘Deins’ ist”
“Komm Du mal in mein Alter, dann wirst Du das anders sehen”
“Mach es so, wie ich Dir das sage, dann klappt das auch”
“Freu Dir schon mal den Hintern warm”

Sicherlich stehen hinter diesen “Sprüchen” auch durchlebte Leidensgeschichten. Ich selber bin eine davon. Doch in der derzeitig wieder entflammten Debatte über Gewalt gegenüber Kindern würde ich gerne ein paar Gedanken einstreuen wollen:

Ich setze mich mit dem Thema auch auf anderen Plattformen auseinander, und finde die Entschuldigung, das eine gewalterfahrene Kindheit selbst zu gewaltbereiter Erziehung in der Elternphase führt ein Stück zu einfach.

Die Gesellschaft als solche lernt dazu bzw. bildet auch einen gemeinsamen Haltungskonsens. Dieser kommt nicht von “irgendwo” sondern wird begleitet durch eine meist öffentliche Auseinandersetzung.

Demnach hat ein jeder die Chance, seinen Kopf aus der Filterblase zu stecken und sich bei Bedarf auch Hilfe zu holen. Die Jugendämter von heute sind nicht mehr der “Schrecken” von früher.

Damit “einem die Kinder weggenommen werden” muss schon wiederholt  recht Schlimmes passieren.

In der Kernaussage der Jugendämter steht immer mehr, das die Konflikte in den Familien gelöst werden sollen, anstatt die Parteien (Eltern/Kinder) isoliert in einem leeren Raum zu halten, wodurch die Ursachen eben nicht ergründet werden, schon gar nicht aufgearbeitet.

Will damit sagen, wenn Eltern ihre Kinder unter Androhung von seelischer, emotionaler oder körperlicher Gewalt “erziehen” wissen sie genau, was sie da tun. Und sie wissen auch genau, das es nach unseren heutigen Erkenntnissen Unrecht ist.

Stressfaktor unerfahrener, junger Eltern

Ich will damit nicht unterschlagen, das heutzutage “junge Eltern” durch ebenfalls “unfertige Eltern” erzogen wurden und damit z.B. schneller im Supermarkt ausrasten, wenn das Kind seine eigene Vorstellung von Einkaufen praktiziert. Doch ist es nicht sinnreich, dies in diesem Diskurs zu vermischen.

Das es für Kinder, die Gewalt als Erziehungsmodell erfahren haben, es später schwieriger ist, zu einem gesunden Selbstwert oder Selbstvertrauen zu finden, bleibt davon vollkommen unberührt. Der Schaden ist immens und macht sich selbst in vollkommen oberflächlichen Angelegenheiten bemerkbar.

Doch befürchte ich, das man hier nicht hektisch gegensteuern muss, da es eine “Entwicklung” auch für die breite Gesellschaft darstellt. Solche Prozesse ziehen sich oft über mehrere Generationen und das kann man vermutlich gar nicht abkürzen. So gerne ich das auch schneller umgesetzt sehen würde 🙂

Zurück zum “Sonderfall”, also ob ich denn da wirklich eine Ausnahme darstelle: Diese Bemerkung war (im Facebookkommentar) zum Teil ironisch gemeint.

Ich wünsche jedem Kind im Laufe der Entwicklung wenigstens einen Erwachsenen an der Seite, der mit etwas Weitsicht und Weltgeschehen als kleiner Verbündeter dem jungen Menschen beiseite steht.

So war es zumindest bei mir. Ein Mensch, bei dem ich einen “gedanklichen” sowie persönlichen Freiraum hatte, nicht funktionieren musste. Lesen anspruchsvoller Literatur, Musik, Kunst sind z.B. Dinge, die mir nicht von meinen Eltern nahe gebracht wurden.

Durch die fehlende/demontierte Institution Familie fehlt es genau an Vertrauenspersonen, welche den Kindern eine Stütze für Visionen und Hilfe beim Erklären von Zeitgeschehen stärken.

Aus romantisierten Erzählungen sind es oft die (Ur-)Großeltern oder (Stammes-)Ältesten, die über Parabeln Geschichten mit Tiefgang weitergeben, welche vor allem als Transportmittel für die Zuhörenden dienten, sich selbst ein Bild von “Recht und Unrecht” zu machen.

Und da kommen wir wieder zu dem Punkt, der in unserer heutigen Gesellschaft auf Probleme stoßen, die einen derzeit noch nicht “handle”baren Umstand aufzeigen:

Kinder sind kein Eigentum!

Wenn dieser Umstand “geknackt” ist und die Gesellschaft in der Lage ist, diese Thematik zu bedienen, kommen wir vielleicht auch zu einer angemessenen Erziehungsform und einem ebensolchen Verhaltenskodex gegenüber Kindern.

#IchSo heute in der Mittagspause :D<

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