Ein paar Gedanken zur Debatte bei WDR5:

Münster zählt zu den Großstädten in NRW mit dem höchsten Unfallrisiko. Wenn hier Fahrradfahrer, Autofahrer und Fußgänger aufeinander treffen, dann kracht es – leider nicht nur verbal. Fast jedes zweite Unfallopfer in Münster ist ein Radfahrer.

Woher kommt das? Wird etwa der Streit um den Klimaschutz direkt auf der Fahrbahn ausgetragen? Oder drängeln sich Radfahrer, Autofahrer und Fußgänger schlicht auf zu engem Raum?

Im WDR 5-Stadtgespräch aus Münster wollen wir den Ursachen für den Stress auf der Straße auf den Grund gehen, fragen was jeder Einzelne und was die Stadt tun kann, um die Lage zu entspannen.

(Foto: WDR5)

Danke für diese Vorlage in dem Titel: ” [..] Oder ist der Raum für alle schlicht zu eng? [..] “

Ich denke, an dieser Stelle bzw. mit dieser Betrachtung kommen wir am schnellsten zu einer Lösung.

Das Suchen der Schuld beim Anderen ist aktuell wirklich eher hinderlich und führt nur zu Spaltung und weiterer “begründeter” Rücksichtslosigkeit.

Nicht selten empfinde ich persönlich den Straßenverkehr mehr als Überlebenskampf, als Stressfaktor und nicht mehr als Notwendigkeit um von A nach B zu gelangen. Von einem Fahrerlebnis, welches ich von vor 20 Jahren kannte mal ganz zu schweigen.

Es ist inzwischen vollkommen egal, welcher Verkehrsteilnehmerpartei ich angehöre: Fußgänger, Radfahrer, motorisierter Zweiradfahrer, PKW oder LKW. Rücksichtsloses Verhalten ist überall zu sehen. An guten Tagen nimmt man Rücksicht auf schwächere Teilnehmer, an schlechten Tagen müssen die dran glauben.

Da ich davon ausgehe, das in jeder Fahrschule in Deutschland defensive und vorausschauende Fahrweise gelehrt und gemahnt wird, unterstelle ich jedem Führerscheinbesitzer, das er sehr genau weiß, was er da tut. Jede Unachtsamkeit, jedes “ich hab jetzt keine Zeit für sowas”, jede Überschreitung vom Tempolimit wird mit vollem Bewußtsein entschieden und genauso gerechtfertigt.
Das gleiche gilt auch für Radfahrer und Fußgänger, keine Sorge, das lasse ich nicht aus 🙂

Doch zur Debatte stünde eher, das sämtliche Ballungszentren aus allen Nähten platzen und der Individualverkehr an seiner endgültigen Grenze angekommen ist.

Nicht nur die bewegten Fahrzeuge, sondern auch die abgestellten und geparkten nehmen den Platz. Wenn die Straßen keinen Bürgersteig mehr haben um den Fluß zu ermöglichen, kommt es dennoch zum Stau im Berufsverkehr. Verkehrsplaner finden keine langfristigen Lösungen mehr. Und das ist eben auch kein Wunder.

Trotz diesem klar belegten und x-mal analysierten Faktums werden trotzdem weiterhin Fahrzeuge neu zugelassen und (Achtung: “links-versifft”) sind Zweit- und mehr Fahrzeuge pro Haushalt nicht unbedingt die Seltenheit.

Wer erst einmal in einem eigenen Auto gesessen hat, (nochmal “links-versifft”) möchte sich nicht mehr in die überfüllten ÖFis setzen, nicht mehr auf seine musikalische Beschallung verzichten oder welche Gründe es dafür nicht alles gibt, den Individualverkehr unantastbar als notwendig zu bezeichnen.

Die Gesellschaft braucht dringend ein Umdenken, eine Verkehrswende. Themen wie Verkehrsvermeidung oder die Wahl des maximal notwendigen Fahrzeugs sollten zukünftig in den Fokus rücken. So könnte dann vielleicht ein Schuh draus werden.

Wenn wir die Schuld beim anderen suchen und unreflektiert die eigenen Vorlieben als vorrangig erachten, werden wir leider keine Lösung finden, die ALLEN Teilnehmern gerecht wird.