System-Anomalie

Wer hat das Lenkrad?!

“Das bringt doch nix!”

In welcher Gesellschaft möchtest Du leben?

(Foto: Bernd Schäfer, LPM. Das haben wir doch alles schon! Was kriegen wir dafür? Das Alte hat sich bewährt! Das haben wir noch nie gemacht! Das bringt doch nichts!)

Ein paar Gedanken zum Kaffee #01 😉

Vor ein paar Tagen wurde ich auf ein Projekt aufmerksam, welches mich sofort begeistert hat. Es geht um eine App, die gesellschaftspolitische Bürgerteilhabe verspricht und meinem “sich Einmischen wollen” im Großen und Ganzen erst einmal gerecht wird.

Nachdem ich artig beim Crowdfunding mitgemacht habe, bewarb ich mich dort auch noch als “Botschafter“.  In Gedanken: ‘Ja, das passt zu mir. Ich empfinde mich als jemanden, der die Botschaft zu seiner Leidenschaft der Demokratie in die Welt hinaustragen möchte‘.

Guten Gewissens, wieder einmal meinen Beitrag an und für die Gesellschaft, also die Gemeinschaft in der ich lebe zu leisten, machte ich mich sofort daran, mir einen Plan zu überlegen, wie ich den Rest der Welt ebenfalls dazu überzeugen kann, sie für die Demokratie zu begeistern.

Aus meiner Erfahrung, zum Beispiel mit der organisierten Gesprächsrunde “The Great Debaters” wusste ich schon, das in dem Moment, wo es um das ganz praktische Handeln geht, die Menschen fern bleiben, die ich auch den sozialen Netzwerken so kenne.

Auf Facebook, auf Twitter erlebe ich gefühlt eine unglaublich hohe Beteiligung an gesellschaftspolitischen Themen. Jeder hat seine Meinung, was schief läuft, was man verbessern könnte, was gar nicht geht. Empörung an vielen Ecken. Emotional und gefühlt wahrhaftig.

“Klasse”, denke ich mir. “Und hier haben wir endlich auch wieder was zum Mitmachen!” und frohen Mutes präsentiere ich wieder einmal ein Projekt, welches die gelebte Demokratie in jeder Faser ausdrückt.

Doch dann kommt die Enttäuschung. “Meinste, das bringt was?” – “Demokratie gibts doch gar nicht mehr” – “Das haben schon ganz andere versucht!” – “Sag Bescheid, wenns los geht” – “Oh, da hab ich jetzt ja mal gar keine Zeit für“.

Um mich jetzt komplett entmutigt oder desillusioniert zurück zuziehen, steht mein inzwischen herangewachsenes Wesen dagegen. Mein Leben bestand aus zu vielen Rückschlägen und Neuanfängen, die im Nachhinein viel besser waren als das, was davor zusammen gebrochen ist, als das ich jetzt damit anfangen würde aufzugeben.

Doch die Frage, warum es so eine gewaltige Kluft beim gesellschaftlich gemäßigten Menschen gibt, zwischen der Empörung und dem Handeln, das will mir irgendwie nicht wirklich in den Kopf.

Klar, könnte ich jetzt mit allerlei abwertenden Begriffen um mich werfen, sowas wie “Kein Arsch in der Hose, wenns ums Machen geht” – “Große Klappe – Nix dahinter”.
Doch das wäre zum einen kontraproduktiv und zum anderen muss da mehr dahinter stecken, als das ich es so einfach be- und verurteilen könnte.

Was ist es also, was uns beim Handeln so abschreckt. Warum sind wir verbal bereit, die ganze Welt umzuschmeißen und neu zu erfinden und sind beim Startschuß nicht an der Startlinie?

Vielleicht muss ich die Frage auch nicht beantworten, sondern jeder für sich selbst, wenn er seinen nächsten revolutionellen, sensationellen, offenbarenden Text verfasst, um ihn in die Welt zu schubsen 🙂

Ich kann für meinen Teil sagen, dass solange die Demokratie wenigstens auf dem Papier steht, in diesem “unseren” Land, solange werde ich die Dinge tun, die mir dort als Werkzeuge in die Hand gegeben werden. Auch wenn so viele Zweifler unsere politische Landschaft nur noch als Supermarkt der Eitelkeiten empfinden (und sie ahnen ja nicht, wie oft ich dem doch zustimme), muss es nicht im Umkehrschluss bedeuten, das man da tatenlos zusehen muss.

Jeder Mensch hat wohl ein Recht darauf, sich zu ärgern. Aber niemand ist dazu verpflichtet 🙂

Ich für meinen Teil setze die Energie lieber in Handeln um. Manchmal ist es gar nicht so schwer.

1 Kommentar

  1. Cooler Artikel. Bleib dran und lass uns wissen, wie es weitergeht.

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