System-Anomalie

Wer hat das Lenkrad?!

Monat: Februar 2018

NetzDG – Mein Kommentar

Bezüglich des Blogs Alvar-Freunde, ein Versuch einen konstruktiven Kommentar beizusteuern.

Ein Versuch deswegen, weil die (bisher) 77 Fragen erschlagen und den Fokus immer wieder auf eine Regulierung setzen, die als Erziehungsmaßnahme potentiell eher abgelehnt wird und sogar als Provokation interpretiert zu noch mehr Auswüchsen der Verrohung in zwischenmenschlicher Kommunikation führt.
So zumindest meine Beobachtungen.

Die Kernfrage ist meines Erachtens, was diese verbale Gewalt, diese emphatielose Beschimpfung verursacht und warum man dies nicht in den Griff bekommt, statt hinterher deren Auswüchse regulieren zu wollen.

Es ist (massiv simplifiziert) im Grunde wie mit einem Gartenschlauch, der bei permanent durchfließendem Wasser nicht die Möglichkeit bietet, ein Ventil einzubauen oder auch nur den Sprühkopf zu tauschen.

Ich oute mich als eine Person, die gegen das #NetzDG ist, fühle mich jedoch als “Anti-#NetzDG-Aktivist”, #NetzDG-Gegner” und welche Bezeichnungen es noch geben sollte eher diskriminiert und lehne jegliche Kategorisierung und “ismen” aus dem gleichen Grunde ab. Denn auch dies ist eine Form unterschwelligem Hatespeech, um welchen es ja in der ganzen Debatte geht.

Meine Haltung dazu ist sehr ähnlich den Bemühungen von Ursula von der Leyens Idee der STOP-Schilder, um gegen die Kinderpornoindustrie vorzugehen. Auch hier begründe ich meine Haltung damit, das dies den Opfern nicht gerecht wird, die unglaublichen Taten nur ausblendet und damit die Aufklärung und Verurteilung der Täter eher verhindert!

Punkte (,,): “Internet und Content”

Das Internet besteht aus einer Vielzahl von Servern bzw. permanent angeschlossenen Speichermedien, mit unzählichen Plattformen, privaten und kommerziellen Webseiten und Portalen, welche jeden Content den man sich vorstellen kann bereitstellen.
Dieser Content obligt grundsätzlich einem Urheberrecht, welches durch das Telemediengesetz in Deutschland durch das Impressum bzw. durch die Angaben per WHOIS zum Verantwortlichen zurückführen lässt.
Hier gibt es sinnvolle Regelungen, um zum jeweiligen Ursprung von Texten, Bildern, Video- und Audiomaterial zu gelangen. Es gibt auch Absprachen, wie dies im “Ausland” verhandelt wird, also nach internationalem Recht.

Es mag zugegeben aufwendig sein und teilweise durch Regelungen des Serverstandorts gar aufgehoben, doch ist dies eine Verhandlung, die auf politischer Ebene zwischen den beteiligten Ländern ausgetragen werden muss und nicht das Recht der grundsätzlich zensurfreien Erstellung oder Veröffentlichung von Content per se einschränken darf.

Denn Letzteres wird immer bedeutetn, das eine ermüdende Diskussion und Interpretation in Gang gesetzt wird, “was zensiert werden darf, was einer Zensur unterliegt, wer die Regeln festlegt und wer die Durchsetzung kontrolliert”.

Punkte (,,): “Löschung von Inhalten”

Es gibt Regelungen wie “Recht auf Vergessen”, welches mit ausreichender Begründung oder eben durch richterlichen Beschluß jegliche Inhalte von den Quellservern einer Löschung zu unterziehen.
Demnach gibt es die Möglichkeit, Beleidigungen, Rufmord etc. zu begegnen. Das dies in Gänze technisch nicht umsetzbar ist, liegt an der Konstruktion vom Internet selbst und wird sich nicht durch ein #NetzDG verhindern lassen.
Totalitäre Regierungen versuchen dies erfolglos und haben nichts weiter erschaffen als ein einfaches zensiertes Netzwerk, welches ins Landesinnere funktioniert, indem die jeweils regionalen Provider zu Zwangsmaßnahmen wie Proxy-, DNS-, Keyword-Content-Sperren verpflichten. Vorhanden ist der Content dennoch.

Punkte (,,): “Durchsetzung von Löschung”

Wenn ein Content als nach dem GG in unserem Land als Inhalt (an)erkannt ist, welcher einen Strafbestand beinhaltet, dann stellt sich die Frage, wie mit diesem umzugehen ist.

Seit der Erfindung von HTML und der Möglichkeit des Verlinkens von Inhalten, die unter anderen Adressen zu finden sind steht die Diskussion im Raum, ab wann man wie dafür haftet, wenn man diese Kern-Eigenschaft von HTML nutzt.
Ferner wenn man Dritten Speicherplatz zur Veröffentlichung bereitstellt, wenn man ein entsprechender Provider ist, ein Forum betreibt oder ähnliche Konstrukte.

Bisher hat man sich darauf verständigt, dass Löschung nach Kenntniss unter Einbeziehung angemessener Methoden genügt.
Ich bin der Meinung, das Unternehmen, Organisationen und Privatleute, die nachweislich mehrfach Unkenntnis vorgeben entsprechend sanktioniert werden können. Man nennt dies dann Wiederholungstäter, welchem im Strafrecht ein eigenes Kapitel gewidmet ist.

Angemessene Methoden müssten vielleicht regelmäßig angepasst und besprochen werden, jedoch genau wie die Bereiche der Wissenschaft permanent bei jeder Änderung einer Beurteilung gegenüber einer Ethikkommission standhalten.

Denn es gilt immer zu berücksichtigen, dass das Unrecht Einzelner nicht durch die Beschränkung Aller (Sippenhaft) begegnet werden kann.

Punkte (,,): “Meinungsfreiheit vs. HateSpeech”

Das in meinen Augen wirklich interessanteste Thema ist eigentlich das gesellschaftliche Verhalten in der Kommunikation, der Umgang miteinander.

Viele gesellschaftspolitischen Wissenschaftler zerbrechen sich den Kopf darüber, wie etwas, was wir heutzutage vor allem im Netz vorfinden, überhaupt entstehen konnte.
Wenn “wir”, dh. wenn ich zu Grunde lege, dass es sich nicht um ein spontanes Ereignis handelt sondern eine Momentaufnahme einer Entwicklung darstellt, kann man recht schnell erkennen, dass es entsprechend dazu keine “Sofortlösung” gibt, sondern nur ein Gegensteuern, um die Weiterentwicklung auf einen anderen Weg zu bringen.

Es ist wichtig zu erkennen, dass kaum ein Mensch mit dem Erreichen der Volljährigkeit sich “vorschreiben” lassen wird, wie er mit dem anderen umgeht. Es gibt moralische Gründe, dh. man kann jeden Menschen versuchen daran zu erinnern, “Was Du nicht willst, was man Dir tu, ..” also eben die bestehenden Empfehlungen wie Netiquette(n) zu kultivieren, könnten ebenso das Belohnungs-/Bestrafungssystem genauer betrachtet werden.

Jedoch ist es schwierig, den Umgang miteinander zu beurteilen. Ab wann gilt eine Aussage als Beleidigung, ab wann ist ein Zyniker ein Gruppenstörer etc. Wo wird hier die Grenze gezogen.

Man sieht, jedesmal, wenn man versucht, ein Regelwerk aufzubauen um sich darauf zu beziehen, landen im gleichen “Topf” auch Leute, die da nicht und nur bedingt hineingehören.

Die Gesellschaft steht eigentlich vor der Herausforderung, Courage wieder zu erlernen, die Kommunikation zu überdenken, die eigene Verantwortung dafür zu übernehmen, bevor man den Mund aufmacht, das zu Sagende durch die Filter (Bereicherung, Richtig, Nötig) laufe3n zu lassen.

Abschließend, das NetzDG verlagert im Grunde die Pöbelei und Hetze in eher unsichtbare Bereiche, alternative Netzwerk und deren Bubbles und hat im Endeffekt nur die Masse beschnitten ohne auch nur einen Funken bei den eigentlichen Hetzern zu bewirken.

Anmerkung zu “Punkte (,,):”
Ich wollte ursprünglich die jeweiligen Punkte aufzählen, doch bin ich daran gescheitert, dass viele Punkte wiederholend, gleiche Schnittmenge etc. haben und ich mich nicht festlegen konnte.
Ich hoffe, dass ich dennoch etwas zur Diskussion beitragen konnte.

In diesem Sinne
LG
Andreas

Die Welt verändern?!

Ein Gedankensplitter durch einen Beitrag “Hat Fairness Grenzen? Ein Kommentar.” sprengte das Thema ein wenig. Grund genug, ihn zum eigenen Beitrag umzugestalten.

Der endlose Gedankengang, dieser philosophische Ansatz die Welt und sich als Individuum darin verstehen zu wollen.

Seit meiner Jugend vor rund 40 Jahren versuche ich einen Weg zu finden, wie ich als Mensch in der Zivilisation leben kann ohne permanent zu einem Mittäter gemacht zu werden. Wie bereits aufgezählt, gibt es kaum Bereiche, in denen ich nicht zur Selbstreflexion gezwungen bin, wenn ich nach diesen Kriterien leben will.

Meine Frau teilt glücklicherweise eine recht ähnliche Lebensauffassung. Wir stehen auf Upcycling, auf so viel wie möglich selber machen. Ich repariere Dinge solange, bis sie wirklich nicht mehr zu reparieren sind und dann werden aus ihnen oft (UpCycling) ganz neue Dinge.
Wir achten auf jeglichen Konsum und quatschen das durch, ob wir das wirklich benötigen. Wir sparen Strom, wo es geht, produzieren ihn teilweise selber als Insellösung. Ebenso Wasser, Heizenergie. Wir betreiben Verkehrsvermeidung. Auch bei Kleidung, Nahrung (Fleisch/Fisch) gelten diese Prinzipien. Schließlich noch das Thema Müll.
Uns beiden ist bewusst, dass egal was wir tun, immer etwas Blut an unseren Händen klebt.
Wir tun das nicht, weil der Geldbeutel das bestimmt. Auch wenn wir nicht reich sind, wir müssten nicht derart sparen. Sondern wir tun das, weil wir nicht “mehr” davon benötigen.

In den letzten Jahren habe ich mich immer mehr für gesellschaftspolitische Themen interessiert, da ich festgestellt habe, dass allein das Kreuzchen auf dem Wahlzettel rein gar nichts bewirkt. Es ist vielleicht eine Meinungsbekundung, doch zu mehr reicht es nicht. Meine Aktivitäten im Außen haben demnach auch viel mit Handeln in und für der/die Gemeinschaft zu tun – dazu jedoch vielleicht ein anderes mal 🙂

Vor langer Zeit schon versuchte ich über Vorbildfunktionen ein “besserer Mensch” zu sein, doch vielfach ertappte ich mich dann dabei, wie ich über andere zu urteilen begann. Darin erkannte ich irgendwann einen Zusammenhang, der wie ein gruseliger Psychothriller sich ewig wiederholt. Und ich erkannte darin einen Kampf, den ich im Grunde zu tiefst verabscheue und doch irgendwie darin verwoben bin: “Ich gegen den Rest der Welt“.
Ich fand zwar immer wieder Menschen, die ich als Inseln im Ozean bezeichnete, als Ruhepole, Menschen die auf der “gleichen Wellenlänge” sind. Doch kamen “wir” selten darüber hinaus, wie “wir” gemeinsam dieses Rattenrennen zum Kollaps beenden können, ohne dem “Wir” gegen “Die” nicht zu verfallen. Es ist letztlich eine Form von Arroganz und Überheblichkeit, die sich immer wieder einschleicht.

Es wurden alle möglichen Szenarien durchgespielt, alle möglichen philosophischen Ansätze, Psychologie der Massen, auch spirituelle Ansätze. In keinem lag der endgültige “Stein der Weisen”. Und auch ich habe keine Lösung, wie das besser funktionieren könnte.

Ich halte die Demokratie unter allen gesellschaftlichen Regierungsformen zwar als die geeignetste Version und das Beste, was wir Menschen bisher geschaffen haben, um als Gemeinschaft zu koexistieren, doch haben wir mit dieser Regierungsform auch einen üblen Mitspieler, der sich gerne als Motor hervortut: die wachstumsorientierte Marktwirtschaft.

Denn diese hat ein Ende in der Sättigung und diese Sättigung wird derzeit verleugnet, bzw. es gibt keinen Raum diese Phase zu erleben. Trotz dem vorhandenen Überfluss wird weiter produziert und es finden mafiöse Mechanismen ihren Weg an die Oberfläche, die schlicht Betrug, Lügen, Sabotage und Missachtung von allem, was jedem Menschen eigentlich nach ethischen Grundsätzen wertvoll und edel ist.
Alleine diese wirklich bekloppte Tatsache, dass wir fossile Energie weiterhin verbraten (SUV) obwohl wir um deren sehr nahem Ende wissen!

Die aktuelle globale Entwicklung zeigt einen Kollaps an. Ob wir da bereits mitten drinn stecken oder noch davor, ist im Endeffekt egal. Fakt bleibt, dass wenn ich das Individuum als Maß nehme, ein “Neuanfang” immer est nach einem Zusammenbruch kommt, denn nur dadurch entsteht ja die Notwendigkeit, etwas zu ändern, einen anderen Weg einzuschlagen, etwas Neues auszuprobieren. Dies bezogen auf eine Gruppe, eine Gesellschaft bzw. auf die globale Bevölkerung wird nach meiner Logik den gleichen Kriterien folgen.

Eine große Hürde wird für die Menschen wohl vorallem die Dauer sein, das dieser Zusammenbruch nicht überall gleichzeitig stattfindet, sondern sich vermutlich in Wellen durch einzelne Länder/Nationen bewegt und andere Nationen dies als Schwäche interpretieren um darin ihren Vorteil zu nutzen. Außerdem wird es eine Menge von selbsternannten Führern geben, die im Chaos ihre Chance sehen, sich ihre eigene kleine Machtblase zu erschaffen.

Da dieser Zusammenbruch meiner Meinung nach schon durch die Weltkriege stattgefunden hat und sich danach die gleichen Machtstrukturen aufgebaut haben, die vormals zu diesen Kriegen führten, ist es im Grunde nichts weiter als ein verlängerter Lebenszyklus eines Produktes, also künstlich am Leben gehalten und in die Länge gezogen.
(Nebenbei erwähnt hat die Menscheit zu Beginn des ersten Weltkriegs diesen ominösen BEP überschritten. Irgendwelche Wissenschaftler haben errechnet, dass die Erde langfristig eine Kapazität von 1 Mrd Menschen (er)tragen kann, ohne aus ökologischen Gleichgewichten gestoßen zu werden.)

Was der Menschheit mE. fehlt ist ein Prozess, diesen Zusammenbruch zu erfassen, zu verarbeiten, ihn zu realisieren. Diese Kapitulation zu akzeptieren. In den meisten Fällen treiben irgendwelche existenziellen Zwänge den Menschen wieder dazu an, möglichst schnell “etwas” wieder aufzubauen, ohne dieses “etwas” genau zu definieren. Und mit provisorischen Grundordnungsstrukturen schleicht sich Altes wieder ein und der Zyklus beginnt von vorne.

Demnach ist meine traurige Prognose, das sich dieser Zusammenbruch wohl über einen sehr langen Zeitraum ziehen wird und durch lokale Revolutionen unterbrochen – den alten Wein in neuen Schläuchen – letztlich die Selbstreflexion der ganzen Menschheit einfordert, einfordern muss.

Denn es gibt keine Autorität, welche die Macht hat, es dem Menschen “beizubiegen”, keine Autorität wird dem Menschen Vernunft lehren können. Jedes Aufstülpen “von oben” wird immer als Provokation verstanden. Man kann eine Masse nicht von oben herab zu etwas zwingen. Egal, wie klug und gut durchdacht das System aus sei – ist es ein Zwang, scheitert es bereit zu Beginn. Der Sozialismus scheitert genau deswegen jedesmal.

Letztlich, der Mensch traut sich nicht, der Gruppe einen Teil der Macht zu überlassen. Ständig wird ein Führer, ein Repräsentant, eine Leitfigur, eine Autorität gesucht, welcher sich zwingend untergeordnet werden muss. Als Argument wird immer Angst vor Unbekanntem, Angst vor Fehlverhalten, Angst vor “X” verwendet, um diese Version zu rechtfertigen. Doch erschafft sich die Gruppe damit gleichzeitig ihre Legitimation, “gegen” genau diese gewählte/ernannte Autorität zu kämpfen.

Jemand sagte mir, das im Menschen zwei Grundprinzipien hormonell bedingt vorherrschen: kämpfen oder fliehen. Kann er beides nicht findet die Paralyse statt – totstellen. Diese Handlungsunfähigkeit in der global wachsenden Depression(-serkrankung) nicht zu erkennen, fällt mir zunehmend schwerer 🙂

Es ist nicht so, das ich das nicht verstehe. Es ist sogar so, das ich davon gar nicht frei bin. Wahrscheinlich bin ich gar nicht so weit von einem Gruppengewissen als Individuum entfernt, wie ich es mir mein Leben lang “vorgemacht” habe.

Und genau an dieser Stelle schließt sich der Kreis, zu dem Anderen. Zu dem, der das hier ließt.
Wahrscheinlich versucht jeder einzelne Mensch irgendwie zwischen “dem Wissen” und “dem Gezwungen sein” einen Weg zu finden, damit zurecht zu kommen. Die einen suchen den Weg in althruistischen Varianten, die anderen sagen sich, es ist eh alles gelaufen und hauen auf die Kacke und nehmen sich, was sie kriegen können.

Um dem Eingangspost gerecht zu werden: ich versuche auf täglicher Basis der globalen Fairness gerecht zu werden, jedoch bin ich weit davon entfernt, dies als “beispielhaft” bezeichnen zu können.

Eine Blaupause meiner täglichen Gedanken 😀

Grüßle

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