Sodele…

… habe mir den Schritt sehr genau überlegt und bin zum Entschluss gekommen, mich den gesamten etablierten Parteien zu entsagen.
Ich finde mich in keiner Partei wieder.

Die wenigen Parteien, in denen zwar ein Großteil meiner Bedürfnisse angesprochen werden, stehen gleichzeitig für Dinge, wo ich mir mit der Hand an den Kopf fasse. Polarisierend, äußerst extrem und beinahe schon radikale Aussagen, welche nicht mehr Wert sind als das populistische Geschwafel des rechten Randes.

Mehrere Jahre habe ich mir das Treiben angesehen, habe diskutiert, No-Go’s erlebt, Widersprüchlichkeiten, pauschales Aburteilen, Generalisierungen und eine beinahe fast unbedeutende jedoch für mich sehr wichtige Aussage entdeckt: Statt “Erneuern” geht es nur noch um die Rechtfertigung der eigenen Existenz – in Parteien, in Gewerkschaften, in Initiativ-Portalen.

Es tut mir sehr leid, doch diese Heuchelei und Bigotterie mache ich nicht mehr mit.

Da ich derzeit massenhaft Menschen kennenlerne – also wirklich an jeder Ecke – denen es genauso geht wird sich mein Fokus auf die Eigeninitiative verlagern.

Es wird zwar schwer werden, all diese Menschen unter einen Hut zu bekommen.
Doch wenn man die Themenpalette nicht auf die “ganze Welt retten” ausweitet und thematisch nicht auf “Eierlegende Wollmilchsäue” setzt, sondern um einzelne, klare Ziele, um das Erkennen von Symptomen und den verursachenden Grundproblemen, ebenso auf die vom Bund zur Verfügung stehenden Fördermittel, solche Veranstaltungen zu fördern, wird es vielleicht endlich mal in die Richtung gehen, das gesellschaftliche Probleme gelöst werden, statt langatmig und Ergebnislos permanent nur über diese zu reden..

Auf Facebook (obwohl ich diese Plattform sowieso kaum noch nutze) habe ich nun in meiner Timeline *alle* Parteien “de-aboniert”. Es ist mir egal geworden, was dort schwadroniert wird, denn die Ergebnisse sind nahezu gegen Null oder gar schlimmer.

Im Gegenzug bemerke ich in der Bevölkerung immer mehr Interesse an Eigeninitiative.
Und DAS finde ich klasse!
Es ist eine Art Aufbruchstimmung die echte Hoffnung auf Verbesserung freisetzt.

Vielleicht werden all die “abgestraften” etablierten Parteien ja irgendwann mal wach, dass es verdammt nochmal nicht um Ego-Schmeicheleien und Postengeschacher geht, sondern um Verantwortung.

Seit den 60ern ging es thematisch um “Eine Stunde vor Zwölf“.. daraus wurde “Fünf vor Zwölf“. Heute haben wir “Fünf nach Zwölf” und die politische Suppe hat sich nicht wirklich verändert:

* HANDFESTE Klimaprobleme,
* Ende der fossilen Rohstoffe,
* Ende der expansiven Marktwirtschaft,
* Ende der Konsumherrschaft,
* psychische Symptome in der gesamten Bevölkerung,
* Gewaltbereitschaft,
* Benachteiligung von ökonomisch Schwachen,
* zerfetzten des Sozialsystems und der Pflege,
* (gesellschafts-)politischer Verdruss,
* Dekadenz & Arroganz,
* Randgruppenjagd,
* Korruption,
* Vetternwirtschaft,
* Politische Paranoia
verpackt als “Drohende Gefahr” bzw. Terrorabwehr,
* Versicherungsvertretern gleich Argumentationen
rund um das “Sicherheitsgefühl”,
* Deutungshoheiten
… und so weiter und sofort sind das konkrete Ergebnis der letzten 50 Jahre Geschwafel!


Die Einwände, das die Änderungen über die Parlamente und das eben über die Parteien stattfindet verstehe ich und ist ebenso ein Kritikpunkt, der auf meiner Liste durchaus fehlt.

Gesetzesnovellen werden professionell organisiert (ganz vorne CDU!) und quasi mit 300-500 Anträgen pro Monat auf die Entscheidergremien gebombt. Diese rückgängig zu machen geht über jahrelange Instanzgerichtsvorgänge, also ein absurdes Unterfangen!

Das Argument mit dem “größten gemeinsamen Nenner” zu nehmen ist leider nicht mehr tragbar, da die Informationen auf den Parolen basieren teilweise emotional, teilweise veraltet und teilweise populistisch aufgebauscht und damit realitätsentfremdet sind.

Ebenso ist die Polarisierung bei Themen, die auch nur den Hauch eines “Andersdenken” beinhalten sehr extrem.


Ich erwähne mal ein populäres Thema “Impfungen”

Jegliche inhaltliche Kritik und Skepsis wird als “Impfgegner” zu Boden geschrien und hinterlässt eine pharmaverherrlichende, verblendete Gefolgschaft. Mit solchen Leuten kann ich nicht reden.

Die Thematik der “Spiritualität” geht mit gekrächtze von Religionsdebatten, Atheismus, vermischt mit alternativer Medizin (also Heilkraut & Co.) ins absurde mit Totschlagargumentation “Homeophathie gegen Krebs”.

Es erinnert mich viel an die Veggi vs. Fleischfresser-Debatten vor 5 Jahren, in Schwarz-Weiss-Denkmanier, wo es nicht um die Sache sondern um die Diffamierung geht.

Die Debattenkultur ist in “Bätschi – auf die Fresse” entartet, die Rechten feiern ihre “Fuck auf political Correctness” und der Rest springt genau über dieses Stöckchen und meint tatsächlich entsprechend krass gegenhalten zu müssen.

Die Anfragen, die ich in den letzten Monaten in Gesprächen von:
Piraten, Grünen, SPD, CDU in meiner Stadt geführt habe, ob eine bessere mediale “Werbung”, extremes Guerilla-Marketing tatsächlich die Menschen hinter dem Ofen vorlocken könnte, oder ob das Problem der fehlenden Beteiligung vielleicht doch woanders liegt, das die Menschen sich nicht mehr vertreten fühlen wurde sehr fantasievoll beantwortet.

Ich stelle leider eine immer größere Kluft zwischen dem “einfachen” Menschen und den Vertretern der Parlamente fest.

Die Mitgliederzahlen gehen bei ALLEN zurück. Es stellt sich die Frage wer will was von wem?
Die Parteien wollen von der Bevölkerung Mitglieder.
Die Bevölkerung wünscht sich zeitnahe Umsetzung realistischer Problemstellungen und mehr Mitspracherecht.


Warum ist das so schwierig zu realisieren?

Ich will nicht unfair sein!

Ich finde einzelne Aktionen schon recht klasse. Beispielsweise was die Piraten in Witten in Sachen Tierschutz erreicht haben, zb. Steuerfreiheit für Tiere, die aus dem Tierheim von Privat aufgenommen wurden oder die Kastrationsempfehlung für Freigänger-Katzen.

Wie gesagt, es soll keine Schelte auf breiter Fläche sein. Es reicht nur bald nicht mehr, um mit einem guten Gewissen sein Kreuz bei der nächsten Wahl irgendwo zu machen.

Und da es keine Untergrenze gibt, ab welche Stimmenmenge eine Wahl nicht mehr gültig ist, ebenso, das Parteien wie CDU und SPD auf stumpfe Stammwähler zurückgreifen können, macht das demokratisch gedachte Wahlrecht ebenfalls zu einem Kirmesspektakel.

Was wirklich fehlt ist ein kontinuierliches Abholen der Bevölkerung zur gesellschaftspolitischen Debatte. Erlernen von gewaltfreier Kommunikation, Veranstaltungen, die Spaß machen wenn es um das Lauschen in das Volk hinein geht.
Das Desinteresse der Wahlberechtigten MUSS erforscht werden und entsprechend präventiv begegnet werden. Es genügt nicht zu sagen, das sie selbst drann schuld seien.

Es hat eine historische Begründung, warum gerade in Deutschland das politische Interesse eher minimal ist.

Das hat mit einem “Schuldgefühl” der Deutschen an dem Desaster des WK2 zu tun, an der Art und Weise des Wirtschaftsbooms, des Konsumzwangs und der Schmierblätter, die dem einfachen “Otto N.” die Lust am demonstrieren verderben, und ganz vieles mehr.

Die aller häufigste Aussage ist “Ich kann mit meiner Stimme nichts bewirken, die machen doch eh, was sie wollen!”

Man muss sich schon die Mühe machen, dieser Aussage wirklich auf den Grund zu gehen.

Ansonsten sucht sich (bewiesenermaßen) der Frust über echt üble gewaltbereite Strukturen seinen Weg und zerstört alles, was wir als Demokratie jemals zustande gebracht haben.