System-Anomalie

Wer hat das Lenkrad?!

Kategorie: Politik (Seite 1 von 2)

Innen- und Außenpolitik, Weltgeschehen, Gesellschaft.

Offener Brief an Walter Steinmeier

Lieber Herr Steinmeier,

in Ihrer Position als Bundespräsident möchte ich Ihnen folgende Idee unterbreiten, was das irgendwie nicht enden wollende Thema “Migration” angeht.

Unter
  https://twitter.com/_amaz1ng/status/947469468623568896
ergibt sich möglicherweise ein interessanter Projektansatz.

Die Idee ist, eine öffentliche und transparente Plattform zur Debatte zu schaffen, die mit klaren Teilnahmeregeln organisiert werden könnte.

Begründung: seit 2015/16 ergab sich eine Art Tabuisierungseffekt, der einen grotesk-kontroversen öffentlichen Schlagabtausch (vorrangig) in den sozialen Netzwerken auslöste und u.a. zu extrem entfesselter Gewalt verbaler und auch physischer Natur hervorbrachte.

Durch eine solche Plattform könnten öffentliche Exzesse von “HateSpeech” in einer konstruktiven Form eingedämmt werden: “Mach (dort) einen Vorschlag und hör auf zu Hetzen!” und dadurch statt dem #NetzDG die öffentliche Debatte in eine gewaltfreie Auseinandersetzung zu wandeln.

Deutschland könnte sich mit einer solchen Variante auch wieder als humanistisches und demokratisches Land in der EU präsentieren und möglicherweise wäre das sogar global gesehen eine “Revolution”.

— Beispiel-Regelwerk —

  • Mitmachen kann und soll Jeder, unter der Voraussetzung der allgemein üblichen Konversationsregeln. Keine Hetze, keine Aggressionen, keine herabsetzenden Äußerungen, etc.
  • Zielsetzung ist, Ideen und Lösungsvorschläge von den Teilnehmern einzusammeln und sie durch einen unabhängigen, überparteilichen Ausschuß zu begutachten.
  • Themenaufschlüsselung: Asyl, Flucht, Einwanderung, (nicht abschließend) und Ideenansätze streng inhaltlich auf diese zu verteilen.
  • Lösungsvorschläge, die eine Vermischung dieser Unterteilung beinhalten können nachgebessert werden, sonst werden sie nicht angenommen.
  • Parteien haben kein Vorrecht um zu verhindern, dass diese eine Deutungshoheit für sich beanspruchen.
  • Brainstorming nach “Disney” – kritisiert (wenn überhaupt) wird erst nach Abschluss der Einreichungsphase.
  • Eingereichte Vorschläge sollten möglichst zeitnah (unter der Voraussetzung der Einhaltung der Kommunikationsregeln) anonymisiert veröffentlicht werden.
  • Im Ausschuß dürfen und sollen sich (ähnlich der Wahlhelfer oder auch Schöffen) die benötigte Anzahl bewerben dürfen. Ebenso könnte ähnlich dessen ein niedrig-hierarchiches Konzept (Wahlleiter, Assistent,..) eingesetzt werden.
  • Technisch gesehen wäre ein “Multiple-Choise” die wirtschaftlichere Variante, doch birgt es die Gefahr, von vorformulierten Antworten, die eine freie Meinung eher verzerrt und verfälscht.
  • Statt “Multiple-Choise” möglichst klar definierte Fragestellungen mit Kommentarfeldern.

Gerne würde ich diese Idee weiter ausbauen und noch mehr würde ich mich freuen, Ihre Reaktion darauf zu erfahren.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen sogenannten
“Guten Rutsch ins neue Jahr”
Mögen konstruktive und innovative Ideen für eine friedliche Gesellschaft aus uns hervorgehen.

(( ging raus per SackPost und verschiedene digitale Adressen ))

Wenn Überwachung ungesund wird

“Dosis facit venenum” ist aus der Medizin der Leitsatz, um den kritischen Punkt zu benennen, zu welchem Zeitpunkt “Etwas” von einer gesunden Beigabe zu einem Gift wird. “Die Menge macht das Gift”.

http://www.epochtimes.de/politik/deutschland/massive-ueberwachung-netzpolitik-gruender-raet-nach-bericht-ueber-cia-praktiken-zum-selbstschutz-a2066066.html

TOPSHOT – Police officers and CSU operators, work on a video projection system, in the Urban Supervisory Control Centre (CSU) on April 26, 2016 in Nice, southeastern France. / AFP / VALERY HACHE (Photo credit should read VALERY HACHE/AFP/Getty Images)

Unter dieser Betrachtung widme ich mich heute dem Thema Überwachung, und wann eine “kritische Masse” erreicht wird, und wozu dies dann führt.

China hat nun sein Social-Credit-System durchgesetzt und natürlich sind alle anderen Staaten, die versuchen durch einen subtilen Druck auf das Individuum dessen Verhalten zu beeinflussen, ebenso daran interessiert.

Worüber reden wir hier eigentlich?

Wir reden über den psychologischen Einfluss verschiedener Werkzeuge zur Einflussnahme auf eine dynamische Masse (Bevölkerung), die ein Ergebnis nach “Dosis facit venenum” leider nicht per se sofort aufzeigt.

Wow, naja, sowas passiert, wenn ich versuche etwas zu beschreiben, welches in sich dutzende, bedenkenswerte Faktoren beinhaltet, welche sich eben interaktiv aufeinander auswirken 🙂

Zunächst der Hawthorne-Effekt

Die Piraten haben recht frühzeitig darauf hingewiesen, das beobachtete, bzw. überwachte Personen sich anders verhalten, als Menschen in einer natürlichen Umgebung. Reichlich Organisationen weisen ebenso darauf hin, dass es in Folge dessen zu Verhaltensausbrüchen kommen wird, also ein “abnormes”, angepasstes Verhalten. Der Hintergrund ist, das ein sozial lebendes Geschöpf danach trachtet, Sicherheit in seinem eigenen Verhalten zu finden. Es braucht eine Art Routine, wie es sich gegenüber anderen verhalten kann, um sein individuelles Maß an Feedback zu erhalten. Informationsaustausch und Orientierung.

Das als Hawthorne-Effekt beschriebene Verhalten weist auf, das alleine dadurch, das Lebewesen, welche die Fähigkeit haben sich kurzfristig an veränderte Bedingungen anzupassen, sich bereits anders verhalten, wenn sie annehmen, sie würden beobachtet. Dies ist in evidenten Statistiken, welche z.B. zur Zulassung von Medikamenten erhoben werden als “Gegenbeweis” angeführt und soll über Praktiken wiederum mit Placebo ausgeglichen werden. Und so weiter und sofort.

Insgesamt sehr kompliziert, unterm Strich ist für mich hier jetzt wichtig, das Menschen sich in einer überwachten Umgebung anders verhalten. Wenn der Druck der überwachten Personen zu hoch wird, welches über nachfolgend verschiedene Umstände passieren kann, wird sich das Individuum anpassen und eigene Verhaltensmuster “erfinden”.

Störungen können auftreten wenn, das Individuum…

  • keinen Rückzugsort hat. Also keinen “nicht”-überwachten Raum
  • die Überwachung nicht zu seinem eigenen Vorteil nutzen darf
  • sich zunehmend Handlungsinterpretationen ausgesetzt fühlt
  • nicht genau weiß, wer es beobachtet/überwacht
  • wie lange die Informationen verfügbar bleiben

Ja, diese Rahmenbedingungen werden jedem Einzelnen im Laufe dieser Änderungen im Environment bewusst und führt dann mehr oder weniger schnell zu einem sich an diese Punkte angepasstes Verhalten.

Und nun kommt der Punkt Vertrauen ins “Spiel”, den das beobachtete Lebewesen an den Beobachter hat, bzw. nicht hat!

Da je nach Reichweite des Beobachtungsrahmens auch intime, also sehr persönliche Räume überwacht werden, erfordert das Vertrauen an den Beobachter, das er verantwortungsbewusst sich selbst beschränken kann, in der Art und Weise, wie der Beobachter mit den Informationen umgeht, wie der Beobachter die Informationen gegenüber anderen schützt und in welchem Umfang er sich selbst gegen falsche Interpretationsrückschlüsse wappnet.

Wenn das beobachtete Lebewesen “Beweise” für den Vertrauensbruch erhält, sind die Folgen weitreichend und eben schwer wieder gut zu machen.

In der Natur der Dinge wären diese Verhaltensweisen absolut folgerichtig. Das Individuum…

  • verzichtet auf Handlungen, die ein Vertrauen voraussetzen
  • entwickelt gespieltes routiniertes Verhalten
  • schöpft eigenen Codex für Informationsaustausch
  • liefert bewusst Falschinformationen

Vertrauensverhältnis Staat vs. Bürger

Welche Faktoren können das Vertrauen in Frage stellen, welches für den positiven Nutzen eines Sozial-Credit-Systems bzw. Massenüberwachung notwendig werden?

  • Wiederholter Mißbrauch der erhobenen Daten durch den Beobachter
  • Missbräuchlich und eigennützig ausgelegte Rechtsprechung z.B. bei Untersuchungsausschüssen
  • Missbräuchlich erhobene Informationen, bzw. Informationen, die gegen die Absprache erhoben wurden
  • Drakonisches Bestrafungssystem
  • Herabstufung des sozialen Ansehens des Beobachteten
  • Fehlende Verantwortlichkeit zum Schutz der Informationen gegenüber Dritten

Fazit

Aktuell leben wir in Deutschland (und auch in der EU) in einem Rechtssystem, welches den Anspruch hat, das jeder Einzelne – ob Behörde oder Individuum – sich auf die Gesetze verlassen kann. Zumindest wird dies an jeder Stelle so zitiert. Dem gegenüber sind die Begründungen, eine Massenüberwachung durchzusetzen immer wieder fadenscheinig. Die Argumente beziehen sich auf sehr spezielle Gefahren oder auf den Schutz einer emotional hervorgehobenen Personengruppe und schließen argumentativ Fehlentscheidungen aus. Die Möglichkeiten, verschiedene alternative Konzepte auszuarbeiten wird entweder boykottiert oder gar sabotiert und letztendlich per Dekret umgesetzt.

Die Durchsetzung von Gesetzen wird von politischen Repräsentanten übernommen und ist nicht im Verhältnis in der Art und Weise gegenüber Erlass und Auflösung bzw. Anfechtung! Ein neues Gesetz wird innerhalb des Bundestages diskutiert und wird dort erlassen. Anfechten muss man das über den Instanzengerichtsweg, der für Einzelne teuer und sehr zeitaufwendig ist!

Außerdem sei erwähnt, das auch wenn politische Repräsentanten demokratisch gewählt bzw. bestimmt worden sind (Kanzler stellt Minister), bedeutet das nicht gleichzeitig berechtigt im “Namen des Volkes”. Um die Bevölkerung und dessen Wohl zu bedienen braucht es im Gegenfluss das Vertrauen, welches durch dieses Überwachungssystem sehr schnell verspielt werden kann.

Die Punkte, welche das Vertrauen auf die Probe stellen habe ich mal dargelegt und sieht sich als nicht abgeschlossene Liste!

In diesem Sinne…

… sind die Spiele eröffnet(?)

PS.: ein ähnlicher Artikel von Michael Ellerhausen bei b-n-d.net

Arbeitstitel: Totalitarismus

“Irgendwann kriegen wir dich doch!”

(Foto: Pink Floyd – The Wall)

Im Allgemeinen assoziiert man den Begriff “Totalitarismus” sofort mit Faschismus, Nationalismus und fundamentalistischen Systemen. Für Letztere stehen dann oft islamistischen Glaubens angeführte Staaten, bzw. Gruppierungen, welche den Anspruch darauf hegen, wie der IS. Und damit ist die innere Debatte auch nach 5 Sekunden wieder beendet. 5 Sekunden, die einem Schluck Kaffee gleichen. “Nächste Seite in der Tageszeitung”. Ende der Durchsage.

Und damit zeigt sich ein Phänomen, welches derzeit schleichend immer mehr unsere Köpfe Einzug hält. Die Kritik einfordernde 68er-Bewegung ist verstummt und stattdessen skandieren “wir” zu allen möglichen Themen unsere Wahrheit, vornehmlich in den sozialen Netzwerken. Und dabei merken wir gar nicht, wie sehr “unsere” Empörung der Nährboden für genau diesen totalitären Anspruch bereitet.

Ich beobachte mit größter Besorgnis, dass selbst bis dato Freunde und Bekannte mit einem – wie ich es bezeichne – gesunden Menschenverstand ausgestattet bei irgendeinem Thema dann selbst zu Verfechtern einer Annahme werden und ein neutrales Überprüfen, kontroverse Diskussionen unterbindend nur noch einfordern, dass “wenn ich das nicht so sähe, ich ja zu den anderen gehören würde.

Die unterschätzte Gefahr dabei ist meines Erachtens, dass solange die Themen meinem eigenen Verständnis von “Gut” und “Böse”, “richtig” oder “falsch” entsprechen, eine kritische Überprüfung nicht nur dem Themenkern an sich, sondern auch im Verhalten derer, die das “genauso sehen” wie ich, nicht stattfindet. Ich wähne mich umgeben von “angenehmen Menschen”, zumindest die eine (meine) Auffassung teilen und damit fühle ich mich “sicher“.

Sicher nicht nur im Sinne von “nicht alleine in der Masse” herumzustehen, sondern auch “sicher“, was den Erhalt meiner Ansicht “Frei von lebensbedrohlichen Gefahren” angeht. Je mehr ich mich “persönlich im Heute manifestiert” habe (Haus, Familie, Verantwortung im Beruf), desto schneller wäge ich sämtliche Entscheidungen darüber ab und entwickle im Sinne des Überlebenstriebs auch ein feines Gespür dafür, was mir (und meinem Umfeld) alles gefährlich werden könnte.

Jedoch sind Begriffserfindungen wie zum Beispiel “Besorgte Bürger” oder “Verschwörungstheorie” genau die Belege, welche uns zum Innehalten bewegen sollten, statt “noch ‘ne Schippe drauf” zu legen und jetzt erst recht die “Feinde des Systems” zu bekämpfen.

Was hat der Begriff Totalitarismus mit “mir” zu tun?!

Eben eine ganze Menge! Mehr, als ich eigentlich ahne. Im Blogbeitrag Glyphosat habe ich das schon mal angerissen und im Liebesbrief an die Piraten ebenfalls. Wir neigen selbst zum Totalitarismus, um so mehr wir derzeit beginnen ein neues Bewusstsein für gesellschaftspolitische Themen zu entwickeln.

Der allgemeine Aufruf im Frühsommer 2017, sich wieder einzumischen, weil die Bundestagswahlen vor der Türe stehen und die Gefahr, das die AfD in den Bundestag einzug hält und damit eine historische Wiederholung des 3. Reiches drohe, hat doch interessanterweise eine Menge Deutscher in Bewegung versetzt. Leider war der Effekt jedoch, dass das Pendel in einer für mein Verständniss unangemessener Weise angetrieben wurde und nun beinahe unkontrolliert hin- und herschwingt.

Beispielsweise mit der Aussage “Du bist kein Nazi, aber..” haben wir unser eigenes Trainingslager zum Thema “totalitäres Meinungsbild” mit dem ersten Seepferdchen erfolgreich abgeschlossen. Seit diesem Zeitpunkt gilt sogar eine gewisse Akzeptanz, Gewalt gegen Rechte zu dulden, teilweise sogar offen zu fordern. Und alle, die das nicht so sehen, sind ebenfalls Nazis.

Nun, ich selbst sehe mich durchaus als Geschichtskundig, habe eine klare Meinung zum Thema Faschismus und sehe mich ausgesprochen klar gegenüber Neonazis und deren Weltbild. Das sollte genügen, um eine populistische Gesinnungsprüfung mit “nein” zu beantworten, ob ich nun nach “rechts” schwenke, mit “denen” sympathisiere oder plötzlich “Rechtes Gedankengut” toleriere. Wem das nicht ausreicht, hat einfach verlernt, das Diskussionen nicht funktionieren, wenn man durch eine unanfechtbare Haltung in jeder Aussage des Gegenübers einen belegten Angriff sieht.

Das lässt sich ausweiten auf die HashTag-Debatten um #metoo, #KristinaHaehnel, #Impfgegner, #No|G20, #ZPS, #KlimaWende, #EMobilitaet, #Vegan|*

Um jedoch zum Thema zurückzukommen, seit dieser Phase stelle ich fest, das unreflektiertes Stimmung machen “für” oder “gegen” irgendwas mehr Menschen erreicht, als das einfache Belegen mit Hintergrundwissen und einem anschließendem handeln.

Ständig werden alle möglichen Themen hysterisch zu einer Gefahr der inneren und äußeren Sicherheit aufgebauscht, welche es nicht wert sind so genannt zu werden und andere Themen, bei denen als nächster Schritt ein konsequentes Handeln erforderlich wird, fallen vom Tisch und werden dann im Hintergrund, zu Gunsten jener und durch jene entschieden, “gegen die wir kämpften”.

Ich habe keine Ahnung, wie “wir” wieder zu Sinnen kommen können. Das einzige was mir aktuell erst einmal einfällt ist:

“wir lassen uns spalten!”

In unseren Köpfen, in unserer Familie, bei unseren Freunden, Bekannten. Bei belanglosen Themen bis hin zu wirklich wichtigen Entscheidungen. Wir fordern andauernd per Gesinnungsprüfung eine absolute Zustimmung und verlernen Toleranz.

Toleranz heißt nicht, das man alles akzeptieren muss. Es heißt nur, das ich akzeptiere, das jemand  eine andere Meinung als ich habe. Es heißt, das ich die Freiheit habe, das gut oder schlecht zu finden und unabhängig davon trotzdem ein liebenswerter Mensch bleibe. Wenn wir das verlernen und vergessen, dann bauen wir mit dieser Art & Weise eine Gesellschaft auf, die nur noch einen charmanten Kopf braucht, der uns rettet und als Führer ins nächste Verderben treibt!

 


Weiterführende Links:

http://www.zeit.de/1972/12/welches-regime-ist-totalitaer/

http://www.bpb.de/politik/extremismus/linksextremismus/33699/totalitarismus?p=0

https://de.wikipedia.org/wiki/Totalitarismus#Kritik_der_Totalitarismus-Theorie

https://twitter.com/hb_join/status/934648173104107520/

http://www.haz.de/Sonntag/Gastkommentar/Der-neue-Totalitarismus-Gastbeitrag-von-Prof.-Dr.-Joachim-Krause

“Das bringt doch nix!”

In welcher Gesellschaft möchtest Du leben?

(Foto: Bernd Schäfer, LPM. Das haben wir doch alles schon! Was kriegen wir dafür? Das Alte hat sich bewährt! Das haben wir noch nie gemacht! Das bringt doch nichts!)

Ein paar Gedanken zum Kaffee #01 😉

Vor ein paar Tagen wurde ich auf ein Projekt aufmerksam, welches mich sofort begeistert hat. Es geht um eine App, die gesellschaftspolitische Bürgerteilhabe verspricht und meinem “sich Einmischen wollen” im Großen und Ganzen erst einmal gerecht wird.

Nachdem ich artig beim Crowdfunding mitgemacht habe, bewarb ich mich dort auch noch als “Botschafter“.  In Gedanken: ‘Ja, das passt zu mir. Ich empfinde mich als jemanden, der die Botschaft zu seiner Leidenschaft der Demokratie in die Welt hinaustragen möchte‘.

Guten Gewissens, wieder einmal meinen Beitrag an und für die Gesellschaft, also die Gemeinschaft in der ich lebe zu leisten, machte ich mich sofort daran, mir einen Plan zu überlegen, wie ich den Rest der Welt ebenfalls dazu überzeugen kann, sie für die Demokratie zu begeistern.

Aus meiner Erfahrung, zum Beispiel mit der organisierten Gesprächsrunde “The Great Debaters” wusste ich schon, das in dem Moment, wo es um das ganz praktische Handeln geht, die Menschen fern bleiben, die ich auch den sozialen Netzwerken so kenne.

Auf Facebook, auf Twitter erlebe ich gefühlt eine unglaublich hohe Beteiligung an gesellschaftspolitischen Themen. Jeder hat seine Meinung, was schief läuft, was man verbessern könnte, was gar nicht geht. Empörung an vielen Ecken. Emotional und gefühlt wahrhaftig.

“Klasse”, denke ich mir. “Und hier haben wir endlich auch wieder was zum Mitmachen!” und frohen Mutes präsentiere ich wieder einmal ein Projekt, welches die gelebte Demokratie in jeder Faser ausdrückt.

Doch dann kommt die Enttäuschung. “Meinste, das bringt was?” – “Demokratie gibts doch gar nicht mehr” – “Das haben schon ganz andere versucht!” – “Sag Bescheid, wenns los geht” – “Oh, da hab ich jetzt ja mal gar keine Zeit für“.

Um mich jetzt komplett entmutigt oder desillusioniert zurück zuziehen, steht mein inzwischen herangewachsenes Wesen dagegen. Mein Leben bestand aus zu vielen Rückschlägen und Neuanfängen, die im Nachhinein viel besser waren als das, was davor zusammen gebrochen ist, als das ich jetzt damit anfangen würde aufzugeben.

Doch die Frage, warum es so eine gewaltige Kluft beim gesellschaftlich gemäßigten Menschen gibt, zwischen der Empörung und dem Handeln, das will mir irgendwie nicht wirklich in den Kopf.

Klar, könnte ich jetzt mit allerlei abwertenden Begriffen um mich werfen, sowas wie “Kein Arsch in der Hose, wenns ums Machen geht” – “Große Klappe – Nix dahinter”.
Doch das wäre zum einen kontraproduktiv und zum anderen muss da mehr dahinter stecken, als das ich es so einfach be- und verurteilen könnte.

Was ist es also, was uns beim Handeln so abschreckt. Warum sind wir verbal bereit, die ganze Welt umzuschmeißen und neu zu erfinden und sind beim Startschuß nicht an der Startlinie?

Vielleicht muss ich die Frage auch nicht beantworten, sondern jeder für sich selbst, wenn er seinen nächsten revolutionellen, sensationellen, offenbarenden Text verfasst, um ihn in die Welt zu schubsen 🙂

Ich kann für meinen Teil sagen, dass solange die Demokratie wenigstens auf dem Papier steht, in diesem “unseren” Land, solange werde ich die Dinge tun, die mir dort als Werkzeuge in die Hand gegeben werden. Auch wenn so viele Zweifler unsere politische Landschaft nur noch als Supermarkt der Eitelkeiten empfinden (und sie ahnen ja nicht, wie oft ich dem doch zustimme), muss es nicht im Umkehrschluss bedeuten, das man da tatenlos zusehen muss.

Jeder Mensch hat wohl ein Recht darauf, sich zu ärgern. Aber niemand ist dazu verpflichtet 🙂

Ich für meinen Teil setze die Energie lieber in Handeln um. Manchmal ist es gar nicht so schwer.

Die Sache mit dem “Hessentrojaner”

Wenn es um IT-Technik, “Cyber*”, Datenschutz und -Sicherheit geht, fallen bei vielen Bürgern oft schon die Augen zu. Diese Themen werden erwartet mit trockener Theorie, unverständlichen Algorithmen und “das ist doch so ein Nerd-Zeugs?!”

(Foto: Quelle Kaspersky)

Ich möchte den Versuch wagen, die Problematik rund um den “Hessentrojaner” leicht verdaulich aufzubereiten.

Dabei werde ich jedoch um gewisse Fremdworte bzw. Fachbegriffe nicht herum kommen:

  • Zero-Days-Exploits
  • Trojanisches Pferd
  • Spyware
  • Datensicherheit in der IT-Infrastruktur

Zu Beginn jedoch, was ist der “Hessentrojaner”, bzw. was steckt dahinter.

Hinter dem Begriff “Hessentrojaner” verbirgt sich ein Gesetzesentwurf zur Legitimation, eine staatlich entwickelte Software einzusetzen, die den Zugriff auf entfernte Computer ermöglichen soll. Normalerweise wird dazu die Einwilligung des Besitzers benötigt, welcher dann im weiteren Verlauf im System den Zugriff erlaubt. Entweder durch Preisgabe von Benutzerzugangsdaten zum gesamten Computer, durch entsprechende Regeln in der Firewall.

Der Plan ist jedoch, diesen Zugriff geheim zu halten, zu einem beliebigen Zeitpunkt ausführen zu können, auf beliebige Daten (also vollkommenen) Zugriff zu haben und bei Bedarf weitere Software installieren zu können.

Das Argument ist, das dies zur Abwehr von Terror und zur Aufdeckung von Kriminalität dienen soll, da sich Kriminelle heutzutage eben auch mit Computer und Internet vernetzen, also diese Medien benutzen.
Soweit, so gut.

Die Konsequenzen, dieses Gesetz zu verabschieden bedeutet jedoch, das es langfristig einen nicht abschätzbaren hohen Schaden an der Sicherheit des Landes verursacht, also einen Bärendienst erweist!

Es geht nicht um den Einsatz von Überwachungssoftware bei “Gefahr im Verzug“, sondern als Erlaubnis zum generellen Einsatz, bei jedem Bürger, auf jedem System!

Warum das so ist, muss im Zusammenhang mit der Realisierung einer solchen Software und dem heimlichen Installieren selbiger auf einem Zielcomputer betrachtet werden.

In TV-Serien wie zB. “Navy CIS” wird einem Glauben gemacht, der “Gute” – also der Geheimdienst – drückt auf “Install Software” und alles ist erledigt. Dem ist bei Weitem nicht so.  Um Zugriff auf einen entfernten Rechner zu bekommen, müssen sich Geheimdienste genau die Methoden aneignen, welche von Hackern benutzt werden, um das gleiche Ziel zu erreichen.

Nicht selten werden Hacker von Geheimdiensten angeworben oder an IT-Universitäten rekrutiert, denn die Anforderungen an jemanden, der in der Lage ist, Schwachstellen in Systemen zu finden und auch entsprechend auszunutzen, ist weit über dem Durchschnitt der Fähigkeiten von Absolventen “normaler” IT-Spezialisten. Doch diese sind eben durch ihre Qualifikation sehr teuer.

Damit kommen wir zum ersten Fachbegriff: Exploits

Der Begriff “Exploits” wird seit jeher verwendet, wenn Schwachstellen in Betriebssystemen und Software gefunden wurden und (das ist wichtig!) offengelegt werden. In aller Regel sind diesen Exploits rekonstruierbare Auslöser beigefügt, also unter welchen Umständen der Fehler auftaucht.

Das Offenlegen soll mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Administratoren von Systemen, Benutzer von Software und auch die Entwickler können darauf schnell reagieren und möglichst zeitnah die Sicherheitslöcher zum Beispiel durch Sperren schließen. Entwickler werden so zu zeitnahen Updates gedrängt und sicherheitsbewusste Benutzer können vorab Informationen über die Qualität einholen, um bei Entscheidungen relevante Hilfe zu erhalten.

Als “Zero-Days-Exploits” werden frisch gefundene Schwachstellen bezeichnet, welche noch keinen (also NULL-Tage) Tag alt sind. Deren hauptsächliche Eigenschaft ist es: es gibt noch keine Gegenmaßnahmen!

Bestimmte Gruppen haben ein sehr hohes Interesse an diesen Zero-Days-Exploits, also höher als gewöhnlich. In der sogenannten Untergrund-Szene werden diese Exploits sogar teuer gehandelt. Es steht immer zur Debatte, einen Exploit nicht zu veröffentlichen, sondern für eine Gegenleistung (Geld, Straffreiheit, Informationstausch, Erpressung) geheim zu halten. Es existiert also ein Markt, der vergleichbar ist mit Drogen, Waffen, Informationen und dergleichen mehr.

Mal ganz abgesehen von der Annahme, das unser Staatsschutz auf diesem Markt V-Männer beschäftigen muss, um an diese Zero-Days-Exploits heranzukommen, diese mit den eben genannten Gegenleistungen auslösen muss, bleibt eine bittere Pille übrig: der ursprüngliche Sinn der Exploit-Datenbanken, Schwachstellen zu veröffentlichen um eine IT-Sicherheit zu gewährleisten bzw. zu unterstützen wird ausgehebelt. Und das betrifft weltweit alle Benutzer, Administratoren von IT-Systemen. Nicht nur der Bürger mit seinem PC, Tablet oder Smartphone, sondern auch Kraftwerke, Krankenhäuser und (fremde) Regierungsnetzwerke.

Ein weiteres Problem besteht, wenn der BND selbst Opfer eines digitalen Angriffs wird, und als Eigentümer von Hackertools diese letztlich “staatlich legitimiert” wieder von anderen genutzt werden können (siehe auch Snowden-Enthüllungen, NSA). Die Worest-Case-Szenarien sind hier grenzenlos!

Nundenn, wir gehen davon aus, das der Staatssicherheits- bzw. Bundes-Nachrichtendienst erfolgreich einen unbemerkten Zugriff auf einen Zielrechner hat. Während dieser Rechner abgehört, durchsucht und ausgewertet wird, werden auch Metadaten und Kontakte, welche vollkommen unerheblich sind gespeichert. Dies wird nur in der aktuellen Falllage von Menschen übernommen, meistens jedoch von weiterer Software ausgewertet und je nach Relevanz zusammengefügt.

Solange der BND sich hoheitlich gibt und sich einer Prüfung seiner Arbeit verweigert, besteht die Gefahr, das Fehlentscheidungen beim offenen Vollzug – seien es Routinekontrollen oder gar Entscheidungshilfen in der Ergreifung – bestehen. Vollzugsbeamte haben nicht die Möglichkeit, die Daten zu verifizieren.

Dieser Umstand ist sehr skeptisch zu betrachten!

Trojanische Pferde

Damit die staatliche Überwachungssoftware auch auf dem Zielsystem geheim bleibt, ist es u.a. notwendig Anti-Viren-Software zu umgehen und andere Auffälligkeiten zu verhindern. Um dies bewerkstelligen zu können muss sich also der BND direkt an der AV-Software zu schaffen machen, sein eigenes “Trojanisches Pferd” – also getarnte Software – sogenannterweise “whitelisten” und diese Handlung verschleiern.

Bei jedem Update (teilweise aktualisieren AV-Software-Systeme sogar stündlich) muss gewährleistet sein, das der Trojaner weiterhin erlaubt bleibt und seine Existenz verborgen.

Dies ist nicht so ohne weiteres möglich!

Ich habe noch nicht die wesentlich höheren Anforderungen bei UNIX-/Linuxbasierten Systemen angesprochen. Dort wird das Ganze zwar schwieriger, jedoch technisch wesentlich anspruchsvoller.
Letztlich: Kein System ist Sicher!

Außerdem habe ich nicht angesprochen, welche benachbarten Systeme bzw. Computer, Router, Smartphones, IoT-Geräte, heimische IP-/Webcams ebenfalls kompromittiert werden und nach einer “Beendigung” der Maßnahme in den Urzustand zurückgesetzt werden sollten.

Dieser Artikel beschäftigt sich tatsächlich nur sehr oberflächlich mit der Gesamtproblematik zum Hessentrojaner, seiner Varianten und der Kritikfähigkeit vom BND. Doch sollte er zumindest eine leicht verständliche, kleine Sicht hinter die Kulissen ermöglicht haben.

Noch eine kleine Anmerkung:
Diese Information könnten Sie nicht sehen, wenn die Netzsperren angewendet und der BND hierfür einen Grund nennen würde.


Weiterführende Informationen:
Analyse Gesetzesentwurf
https://restgedanken.de/hsvg-teil-1-gesetzentwurf-fuer-das-neue-hessische-verfassungsschutzgesetz/

Analyse Bundestrojaner
http://www.ccc.de/de/updates/2011/staatstrojaner
http://www.ccc.de/de/tags/staatstrojaner
https://www.heise.de/newsticker/meldung/CCC-knackt-Staatstrojaner-1357670.html
http://ijure.org/wp/archives/727
https://media.ccc.de/v/camp2015-6995-staatstrojaner_in_karlsruhe

Snowden /
NSA-Leak, “Stolen Hackertools from NSA”
https://theintercept.com/2016/08/19/the-nsa-was-hacked-snowden-documents-confirm/
https://www.theguardian.com/us-news/the-nsa-files
http://www.businessinsider.de/snowden-confirm-hacked-nsa-files-2016-8?r=US&IR=T
https://thehackernews.com/2016/08/nsa-hacking-tools.html

Piraten – Blinder Aktionismus

Mal ganz abgesehen davon, das die Suche nach weiteren Piratenfernen Themen scheinbar kein Ende nimmt, ist die neue Positionierung zu Glyphosat nun ein echtes NoGo.

Ich dachte zunächst, ich seh’ nicht richtig und laß mich in das Posting ein und auch in die neuen Berichte über Glyphosat, die proklamieren, “Man solle das jetzt nicht pauschal verteufeln”.

Doch die Bestätigung, das mein Impuls der Empörung das schon richtig erkannt hat, folgte auf dem Fuße.

Mich ärgern hier jetzt mehrere Dinge:

  1. Die Vereinnahmung von Themen in das Parteiprogramm der Piraten, welche den “Machern” offensichtlich den kausalen Zusammenhang zwischen der absoluten Positionierung und der daraus folgenden Ausgrenzung von Mitgliedern nicht klar wird,
  2. Themen, die sogar von Greenpeace und anderen Organisationen, welche die Wechselwirkung im Gesamtbild “Umwelt” jahrelang kritisch untersucht haben, werden nun als pauschale Verteufelung bezeichnet,
  3. Mitgliederzahlen- und Wählerschwund keinerlei Bedeutung hat.

Mich ärgert das deswegen, weil ich aus der Zeit stamme, wo die Piratenpartei in Gründung war und wir damals schon anmahnten, bei digitalen Themen zu bleiben. Und solange wir das taten hatten wir Zulauf. Als wir damit aufhörten um mehr Wähler und Mitglieder zu bekommen, jedes “nicht-digitales” Thema integrierten, “um ein breiteres Spektrum” zu bedienen, wurden die Piraten zu einer gesichtslosen Partei, die eines mit den etablierten Parteien gemeinsam hat: Einerlei, Einheitsbrei!

Ich kann Pirat sein und links sein, ich brauche aber keine linke Piratenpartei.
Ich kann Pirat sein und für das BGE, jedoch keine Piraten-BGE-Partei.

Diese Liste kann ich fortsetzen. Ich kann auch fortsetzen, das ich eine äußerst kritische Haltung gegenüber der Schulmedizin habe, ohne sie pauschal zu verteufeln. Ebenso habe ich eine äußerst kritische Haltung gegenüber der Nahrungsmittelindustrie, in der ich den Aktionismus von Konzernen wie MONSANTO, Nestle & Co sehr genau unter die Lupe nehme. Kritisch deswegen, weil die Ursachen durch unüberlegte, lösungsverliebte und gefährliche Methoden als Lösungen “verkauft” werden, welche dann weitere Probleme verursachen, welche mit noch absurderen Lösungen beantwortet werden.
Diese Themen, also beispielsweise Schulmedizin und Nahrungsmittelindustrie interessieren mich als Bürger. Nicht jedoch als Pirat!
Für einige ist das wohl nicht verständlich. Sei es drum, denn denen kann ich das sowieso nicht erklären, weil sie es nämlich nicht verstehen wollen.

Der Unterschied ist eben, das meine persönliche Meinung zu $Dingen nicht gleichzeitig sofort als Programmziel (im Piratenprogramm) stehen muss. Denn das bedeutet im einfachen kausalen Umkehrschluss, das jeder Pirat das mittragen muss. Vollkommen unabhängig welchen inhaltlichen Informationsstand ICH habe! Und das genau ist das Drama.

Letztlich, durch diese Aktion, die so offensichtlich eine dramatisierte Symptombekämpfung als “wichtiges Thema für die Piraten” gewünscht wird, ist mir klar geworden, die Piraten sind tot.

Schade um die 2 Monate Arbeit nach der Bundestagswahl 2017 und die wiedereinmal verheizten ehrenamtlich arbeitenden Mitglieder. Aus Fehlern lernen scheint wohl bei den Piraten in einem anderen – sich mir nicht eröffnenden – Kontext zu stehen.

Eine Diskussion scheint mir unmöglich, da ein aktives Zuhören verlernt wurde und statt dessen mit gewohnter “überzeugenden Argumentation” geantwortet wird, welche lediglich den persönlichen Teil der Abneigung bzw. Haltung widerspiegeln, nicht jedoch das größere Ganze.

Man sollte sich in einer ruhigen Minute mal fragen, ob all das, was der AfD seit nun 4 Jahren vorgeworfen wurde, inzwischen nicht schon selbst praktiziert wird.

Ich bin dann endgültig raus.

 

Stimmt das? “Der Aufstieg der Rechten ist keine Diskurspanne (der Linken)”

http://www.sueddeutsche.de/kultur/debattenkultur-der-aufstieg-der-rechten-ist-keine-diskurspanne-der-linken-1.3710691

Protest gegen rechts auf der Buchmesse in Frankfurt
(Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)

Nach der Frankfurter Buchmesse stellt sich die Frage, wie eine tolerante Gesellschaft mit Intoleranz umgehen soll. Mit den Rechten reden? Oder reichen Argumente nicht mehr aus?

Ich sehe es anders. Bereits in der Aufmachung.

Mit den “Rechten” reden ist sicherlich sinnlos. Da gibts das StGB!

Reden sollte man mit denen, die “Rechte” für eine Alternative halten. Und das wird leider unterbunden durch hysterisches Schuldzuweisen.

Und “WIR” werden die Antworten ebenfalls nicht finden, weil sie unter dem Getöse der Feindbildkulturen vollkommen untergehen!

Die Blamage d. #NSU-UA sind Beispiele vom Versagen des StGB, vom falschen Schutz v. Entscheidungen von V-Männern, etc. Da kann man gerne mal auf den Putz hauen. Der Kuchen ist sogar noch warm!

Doch die echte Ursache zu finden, warum die Gesellschaft sich spalten lässt wird eben die Antifa nicht beantworten können.

Die Probleme in unserer Gesellschaft und im Umgang unserer Gewaltenteilung sind wesentlich komplexer, als sie stumpf mit “Dumm”, “$Anti” oder ähnlichem zu skandieren!

Diese Auseinandersetzung wird permanent sensationell parodiert, verharmlost oder unterbrunden!
Und das halte ich dann sehr wohl für eine Diskurs-Panne.

Aussage: Wenn Leute rechtsextrem wählen weil sie ein Problem mit der Gewaltenteilung haben ist das doch kein der Debatte der restlichen Gesellschaft?”

Wie ich bereits schrieb: die echten Rechten mit dem Strafgesetzbuch konfrontrieren.
Mit denjenigen reden, welche die Rechten für eine Alternative halten.

Ich werfe mein Kind ja auch nicht weg, wenn es Sch**ße baut, sondern beschäftige mich damit, warum es das tat.

 Und ich schrieb, das die Gesellschaft ein Problem mit dem Umgang der Gewaltenteilung hat. Ganz konkret im Fall des #NSU-UA.  Doch komplexe Strukturen anzugreifen ist eben wesentlich schwieriger als alle in einen Topf zu werfen und sich dann zu wundern, wenn er um die Ohren fliegt.

 Und ich schrieb, das es sehr wohl eine Diskurs-Panne ist. Jedoch habe ich bewusst das Wort “Linke” weggelassen. Denn diese Form der Schein-Debatte scheint in unserer Gesellschaft flächendeckend Einzug zu halten.

Ich sehe darin Gedankensplitter für eine Auseinandersetzung und keinen erneuten Anlaß zu prüfen, ob ich links, rechts oder sonstwo stehe. Damit geht der “Prüfer nur sich selbst auf den Leim”.

Genau das findet nämlich derzeit statt. Eine Gesinnungsprüfung, ob mein Nebenmann noch auf meiner Seite steht, statt zu prüfen, ob die eigene Richtung noch stimmt.

Das Reflex-Trash-TV hat vielleicht nicht “Einzug gehalten in die Köpfe” in unserer Gesellschaft. Vielleicht stellt es ja doch eine Art von Selbstausdruck dar

Aussage: Das Strafgesetzbuch? Nazi-sein ist nicht verboten. Und es geht da aus meiner Sicht auch nicht um verwirrte Kinder. Menschen, die extrem rechts wählen unterstelle ich, dass sie das als Erwachsene bewusst tun. Natürlich sollte mit denen, die noch irgendwie erreichbar sind, geredet werden. Aber grundsätzlich will ich rassistischen Positionen nicht – noch mehr! – Raum in der Debatte geben als sie ohnehin schon haben. Eines der großen Probleme derzeit ist ja die erfolgreiche Verschiebung des Diskurses nach Rechts.

Das verstehe ich sehr sehr gut!

Doch wenn ich mich nicht irre, stehen Äußerungen, Symbole, Handlungen, das Kultivieren und Verherrlichen der NS-Herrschaft, uvm. sehrwohl als Straftatbestand im Gesetzbuch. Mich wundert es auch ehrlich, das Höcke, Gauland & co. in keinster Weise für ihre Handlungen und Äußerungen zur Rechenschaft gezogen werden.

Und leider ruft der Mechanismus des Tabuisierens die Polarisierung erst hervor. Und solange eine Tabuisierung einem Feindbild zugeschrieben werden konnte, wie zB. die Haltung der Kirche gegenüber Abtreibung, Homoehe etc. wird es diskutiert und auch als solches benannt. Beginnen wir selber mit einer Tabuisierung, einem Ausblenden oder sonstigem Selbstentzug der Debatte, scheinen wir diesen Menchanismus mit ganz heftig moralischen Werten zu rechtfertigen.

In der Vergangenheit war hauptsächlich das Einzige, was “Aktivisten” in unserer Gesellschaft der “A*D” entgegen brachten, pauschales Beleidigen und mit “Bist kein Nazi, aber..” durchs Dorf zu peitschen.

Ich nehme mich davon nicht aus! Und ich dachte damit auch, das würde reichen. Ich dachte es wäre richtig.

Jedoch erfahre ich heute, dass das Eingestehen der Niederlage, das dieses Konzept nicht funktioniert hat, es zu einfach war und ich mich möglicherweise mitverantwortlich sehe, ich mich mit der Kritik nun selbst im Zentrum einer Zielscheibe wiederfinde.

Wenn jedwede Kritik an der Regierung, die zufällig *nicht* auf der Agenda einer eher “liberalen” bzw. “linken” Partei steht automatisch “rechts” sein muss und mit der Parole “Kein Nazi, aber..” untermauert wird, stelle ich lediglich die Frage in den Raum, ob ich wohl möglicherweise diese Leute erst in die Arme der A*D trieb.

A*F zu wählen, selbst aus Protest, erntet bei mir auch nur ein Kopfschütteln.
Doch ist es dennoch ein Symptom für eine Ursache… und will ich die nun hören oder nicht?

Will ich den Mut aufbringen und das eigentliche Desaster in unserer Gesellschaft sehen oder nicht? Wo wir stillschweigend systematischem Unrecht zustimmen. Was wir aus Desinteresse Tyrannei gewähren lassen. Wo wir Wirtschaft vor den Schutz von Leben stellen. Wo wir “gut gemeint, ungleich gut getan” akzeptieren.

All das wird eben solche Auswüchse hervorbringen. Wo Teile der Gemeinschaft sich aus dem Diskurs ausschalten und ihre Meinungsbildung der Schwarmintelligenz einer Filterblase überlassen.

Je weiter dieses derzeitige Modell der Feindbildkatapulte und moralische Keule Debakel bleibt, um so schwieriger wird es einen Anfang zu finden.
Denn.. was sollen wir denn sonst machen?
Bürgerkrieg? Die Leute aus dem Land werfen?

Glaubt auch nur ein Mensch, das ein weiteres permanenten Ächten diese Menschen – ab nah oder fern am Rechten Ufer – diese zur Besinnung bringt?

Aussage: Wir werden aushalten müssen, dass Menschen mit einem entsprechenden Weltbild nun auch in den Parlamenten sitzen. Wenn ich mich in Europa umgucke hat weder das Einbinden (Dänemark, Österreich) noch das Ausgrenzen (Frankreich, Schweden) den Aufstieg entsprechender Parteien verhindern können. Schade, aber es gibt da kein Muster zu geben, nachdem die sich wieder zurück auf den Müllhaufen der Geschichte zurück befördern lassen. Davon abgesehen sollte es eine Selbstverständlichkeit unter Demokraten sein, um die Besten Ideen und deren Umsetzung zu streiten.

Ja, leider.
Doch können sie “entmachtet” werden. Wenn wir die Wähler von deren undemokratischen und systemfeindlichen Zielen überzeugen können.
Das schaffen wir meiner Meinung nach jedoch nicht, wenn wir sie für etwas bestrafen, worin diese keinen Sinn erkennen können.

Und nur weil eine noch so abstruse “Meinung” demokratisch bzw. nach dem GG gedeckelt scheint, kann man sich trotzdem gemeinsam über dessen Inhaltslosigkeit und Leere auseinandersetzen. Sie werden es selber merken.

In den 80ern haben “Wir” uns auch nicht vorschreiben lassen, was wir zu denken haben. Warum kommen wir heute auf die Idee, das es bei einer Personenmenge doch funktionieren sollte.
Nur weil die eine Meinung haben, die wir nicht teilen?

Wir haben gute Ansätze, um der A*D zu zeigen, wohin deren Ziele führen. Aber wir müssen uns auch gefallen lassen, das wir selbst auch wenig tun, um zum Beispiel Fluchtursachen WIRKLICH zu vermindern.

Das eine darf das andere eben nicht ausschließen.

Und was ich ebenfalls zu bedenken gebe: diese “rechte” Provokations-Show, letztmalig bewiesen vor einigen Tagen mit der Frankfurter Buchmesse 2017, wird derzeit in meinen Augen als Beschäftigungstherapie gepuscht, DAMIT uns nicht ein-/auffällt, dass in den letzten 20 Jahren kapitale und fatale Fehler gemacht wurden, die durch größere Fehler gedeckelt werden und wir nur nicht auf die Idee kommen, das Ganze zu hinterfragen.

PS: das was wir beide hier tun, ist Auseinandersetzung. Und DAS sollten wir auch wieder kultivieren und verbreiten

 

Teil 2, Radikale Sackgasse!

Meine Stellungnahme zu..

“Offener Brief an die MdBs der LINKEN”

(http://tinyurl.com/ya9l3ez4)

“[..] Aber die wiederholten Äußerungen der bisherigen Fraktionsvorsitzenden der LINKEN im Bundestag, Sahra Wagenknecht, stellen den antirassistischen Grundkonsens einer pluralen Linken in Frage. Sie sind für uns längst mehr als ein Ärgernis.[..]”

Dieser “offene Brief” wäre ein Witz, wenn er nicht in einer üblen Art & Weise nach Sabotage und nun doch nach Mobbing riechen würde!

Vorweg, ich habe die Partei “die LINKE” nicht gewählt und hatte auch noch nicht den Gedanken, es zu tun. Dennoch gefallen mir Wagenknechts Aussagen, die Bundestagsdebatten und Interviews an sich ganz gut.
Ich halte Frau Sahra Wagenknecht für eine Frau, die mit Herzblut bei der Sache ist und sich durchaus sehr viele Gedanken um ein faires Deutschland macht.

Meine Überschrift “Radikale Sackgasse” deutet auf ein neues Phänomen hin, welches sich wohl vor einigen Jahren eingeschlichen hat. Und solange die Probleme nicht so tiefgreifend sind, wie der Brenntiegel “Flucht” konnte man sich schneller einig werden und auch einfacher Kompromisse schließen. Selbst wenn man nicht zu 100% mit dem Gesagten übereinstimmt.

Nun, da Debatten um eine “Flüchtlings-Obergrenze” offensichtlich nicht mehr von den Titelseiten zu fegen sind, sollten wir uns dieser Sache annehmen. Und das verkehrteste, was man tun kann, ist sich hinter einer scheinbaren moralischen Ehrenmauer zu verschanzen und jegliche Dialogfähigkeit über Bord zu werfen.

Es geht um Detailfragen. Es geht um Planlosigkeit. Es geht um die Problematik, wie man sich zum Beispiel gegenüber Menschen verhält, die Straftaten verüben und durch den “Flüchtlingsstatus” nicht zu Konsequenzen herangezogen werden (können).

Es gibt die Genfer Konventionen, welche jedem Menschen zusichern, nicht in ein “nicht sicheres Land” abgeschoben werden zu können. Demnach gibt es keine Obergrenze ohne geltendes Recht zu brechen. Das ist inhaltlich richtig und das sollte auch so bleiben.
In den Genfer Konventionen steht aber nicht, das eine Debatte über die Problematik verboten ist. Wir brauchen nun mal Lösungen, die das Grundrecht auf Gleichheit und Schutz auch wirklich Jedem zusichert.

Und wir haben offensichtlich keine Antworten und wir werden auch kein finden, solange man sich hinter einer überzogenen Ethik, einem verbohrten, radikalen und moralischen Verständnis oder gar einer traditionellen Gesinnung versteckt!
DAS liebe “Genossen” ist contra-produktiv! Und zwar im allerhöchsten Maße!

Diese radikal Linke Haltung, und ich betone RADIKAL verhindert den Diskurs, den wir alle dringend führen müssen! Diese Haltung macht Jeden zu einem “Rechts-Außen” der auch nur einen Gedanken daran verschwendet, beispielsweise straffällige Menschen mit Herkunft aus Kriegsgebieten abzuweisen, bzw. sich über Konsequenzen denen gegenüber Gedanken macht.

Planlosigkeit, Intransparenz, halbfertig gedachte Ausführungen, schüren letztlich die Phantasie im Außen, die “freie Interpretation”, den Fremdenhass und bedrohen die Integration der dankbaren Geflüchteten, welche eine große Mehrheit darstellen, enorm!

Ich habe 2015/2016 in einer Notaufnahmeunterkunft geholfen und mir die Situation Vorort sehr detailliert ansehen können. Diese Bewegung der Hilfsbereitschaft war das Wunderbarste, was je in der Deutschen Geschichte nach dem zweiten Weltkrieg hervorgebracht wurde! Und sie wurde dankend von den Schutzsuchenden angenommen und sehr viele hatten wirklich das Gefühl, sie könnten endlich zur Ruhe kommen.

Erzählungen von den Zuständen in deren Heimatländern brachten zu Tage, was an Gräueltaten kaum zu beschreiben ist. Nahrungsbeschaffung, Trinkwasserversorgung, medizinische Hilfe, rechtsfreie Räume sind nur Beispiele, hinter denen sich Erzählungen des dauernden Überlebenskampfes einfügten. Die Flucht, das Zurücklassen vom restlichen Hab und Gut und das gezwungene Entwurzeln zu tauschen um sich in Länder der Hoffnung aufzumachen, schien erreichbarer und sinnvoller, als noch einen Moment in der Düsternis zu verweilen.

Ob die Vorstellungen, wie es bei uns tatsächlich aussieht, der Wirklichkeit entspräche, ist belanglos. Denn alles wird besser sein, außer der Krieg.

Und es gab auch die “anderen”. Zur Begrüßung *Fuck You!*, vor die Füße spuckend, und fluchend sich gegen alles zu verweigern, was alleine nur den Aufnahmeprozess darstellte. Ich habe sie beobachtet und mir wurde Bange. Sie stellten sich nicht nur gegen uns, also die Gruppe des aus 70% Ehrenamtlern, 30% aus organisatorischen Fachkräften bestand, sondern bestahlen auch die anderen Geflüchteten. Sie boykottierten die Integration. Sie zettelten Streitereien in der Unterkunft an, wo es sich auch nur anbot. Sie warfen das ausgeteilte Essen in die Ecke und benahmen sich wie die Axt im Walde.
Doch es waren bei Weitem nicht so viele, wie es im Außen dargestellt wurde! Jedoch genug, um das Konzept der Hilfsbereitschaft auf eine harte Probe zu stellen.

Das diese “Streithähne” nicht nur den Frieden innerhalb der Unterkunft bedrohten, sondern auch noch zum Aushängeschild für einen pauschalisierten Fremdenhass werden würden, ist eben beschämend.

Es gab auch die Menschen, die nervlich am Ende waren, die dringend für traumatische Aufarbeitung Begleitung brauchten. Es gab Eltern, deren Kinder noch unterwegs waren und umgekehrt. Sie neigten nun mal auch dazu, bei dem selbst von uns kritisierten bürokratischen Blödsinn die Geduld zu verlieren und anderen Auslösern für den Lagerkoller.

 

Im Heute sehen wir das Problem leider wieder, das WIR durch mangelhafte Kommunikationsfähigkeit, durch blinden und amtlichen Aktionismus dazu beigetragen haben. Schon von Beginn an wurden Kritik am System ständig mit einer “latenten rassistischen oder faschistischen Gesinnung” beantwortet. Der Leitspruch wurde “Ja, aber..” – “Du bist kein Nazi, aber…”.

DAS ist keine Kommunikation sondern ein blindes um sich werfen mit Totschlagargumenten. Die gleiche Taktik, wie die Begründungen von uns Uschi zum STOP-Schild, gegen das wir so vehement vorgegangen sind. Und nun taten wir es selbst. Statt da irgendwann zu einer Umkehr zu kommen, wurde der Marsch geblasen, und zwar zur Hatz auf alles, was nicht zu 100% der eigenen Meinung war. Was im entferntesten irgendwelche abstrusen Restgene vom 3. Reich bewies.

Mal im Ernst! Wenn jemand zu einer Debatte aufruft und bei kritischen Fragen das Ganze wieder abbricht, wie würdet Ihr das bezeichnen?
Und wenn das beantwortet ist, mal an die Nase fassen und vor dem Spiegel einen Identitätscheck durchführen!

Und da wundert Ihr Euch wirklich, dass der Fremdenhass gewachsen ist? Er wurde durch genau diejenigen genährt, die sich so sehr davon distanzieren wollten. Das Gesetzt der Polarität. Ihr habt euch die selbsterfüllte Prophezeiung an die Wand gemalt und immer noch haltet Ihr daran fest. Was macht euch denn so unsicher in der Auseinandersetzung?

Was haben Sie zum Beispiel zum Brainstorming beizutragen, was keinen “Weiter-So”-Kurs darstellt? Was nicht dazu führt, das Teile der Bevölkerung nicht mitwachsen kann, das die Integration durch verbohrtes Denken scheitert?

Wenn das in Ihrem Sinne ist, wenn eine Radikalisierung für Sie ein kreativer Prozess ist, dann haben wir ein Problem!

WIR, das sind die Menschen, für die Demokratie vor allem Auseinandersetzung mit Problemen bedeutet und nicht etwa ein Verdrängen und Tabuisieren durch eine unverhältnismäßige Haltung, gekocht aus Angst, falscher Loyalität und traditionellem Einerlei!

Ich bin wirklich wütend über solche Denk-gebremsten Menschen, welche durch genau solche Aktionen verhindern, das eine Debatte stattfinden kann! Und ich bin deswegen wütend, weil die Arbeit derjenigen, die Zeit, Geld, Sachen und Nerven investiert haben um eine herzliche Willkommenskultur zu gestalten und der Welt zu zeigen, das Integration sehr wohl möglich ist, durch solche Aktionen mit Dreck beworfen wird!

Ich bin bei weitem nicht Rechts. Noch nie gewesen und werde es auch nie sein. Doch wer mir verbietet, Kritik an vereinnahmten “linken” Themen auszusprechen und mich dann als “Rechts” betitelt, ist für mich kein ernstzunehmender Gesprächspartner.

Ausgesprochen nachdenkliche Grüße!

PS.: ich wurde nun von den Erstellern dieses “offenen Briefes” auf Facebook geblockt. HmTja… 

Offener Brief an Kanzlerin Merkel

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Angela_Merkel_Juli_2010_-_3zu4.jpg

Wiki Commons Angela Merkel

Sehr geehrte Frau Dr. Angela Merkel,

in Ihrer Position als Bundeskanzlerin appelliere ich an Sie zur Sache des Vertrauens und dessen Bildung im Volke!

Zur Einleitung einige Zitate:

Ein Staat kann nicht selbst handeln, er braucht Personen (meist Mitglieder von Parteien) als Staatsorgane, die stellvertretend für ihn handeln. Die höchsten Organe der Bundesrepublik, die obersten Staatsorgane (Bundesorgane) sind direkt im Grundgesetz aufgeführt.”

und

“Richtlinienprinzip / Kanzlerprinzip (Artikel 65 S 1 GG)
Die Bundeskanzlerin oder der Bundeskanzler bestimmt die Richtlinien der Politik (Richtlinienkompetenz) und trägt dafür die Verantwortung.
Sie oder er ist „Chef der Bundesregierung”.”

In diesem Sinne stelle ich mich als rechtschaffenden Bürger bei Ihnen vor:
Mein Name ist Andreas Appenheimer, ich bin Bürger der Bundesrepublik Deutschland und lebe gerne hier.
Ich bin Baujahr 64, also 10 Jahre jünger als Sie. Ich engagiere mich sehr im Ehrenamt, welches sich nicht nur auf Tätigkeiten in solch benannten Positionen bezieht, sondern auch im Sinne von Wissensbildung und kultivierter Hilfsbereitschaft.

Sie bauen auf das Ehrenamt. Das ist großartig. Denn dadurch erhalten wiralso alle ehrenamtlich tätigen Bürger – in gewisser Hinsicht ein kleines Stück Bestätigung, für die auch mit Ihren Worten benannte “unbezahlbare Arbeitsleistung an und für die Gesellschaft“.

In den letzten Jahren wird es jedoch zunehmend schwerer, den Bürger dazu zu bewegen, sich den freiheitlich demokratischen Grundregeln zuzuwenden, denn das Vertrauen darin, das der Bürger (also jeder einzelne vom Volk) ernst genommen wird, schwindet mit jedem Gesetz zur Unmündigkeit, zur Überwachung und ausufernden Rechtslage bestehender Gesetze.

Sie ahnen nichts von der Mühe, wenn ich Ihnen sage: “WIR haben alle Hände voll damit zu tun, die Demokratie attraktiv zu halten!

Sicherlich sind mir die diplomatischen Verstrickungen bewusst, in dessen Rahmen Sie sich nur bewegen können. Zwar nicht in Gänze inhaltlich, jedoch vom Prinzip her durchaus. Dennoch kann das Volk, welches Sie repräsentieren nur hinter Ihnen stehen, wenn Sie sich transparent zeigen, wenn Sie Verständnis für die tausenden von Fragen haben, wenn Sie das Volk ernst nehmen und wenn sie Ihren Ministern richtungweisend vorstehen.

“Ein Teil der Antwort würde die Bevölkerung nur verunsichern” ist genau das Gegenteil von dem, was ich damit meine.

Das Volk ist kein Kindergarten, in welchem man sich in Zweierreihen an den Straßenverkehr heran tastet, sondern es besteht u.a. aus akademisch anerkannten Amtsträgern, aus empathischen Bürgern, aus hilfsbereiten Menschen, die alle nicht mit 20, 30 oder 50 Jahren fertig aus dem Wandschrank gefallen sind. Das Volk ist mündig. Darin sind wir beide uns doch einig, oder?

Zugegeben, das was durch die zusammen gesparte Bildungspolitik verursacht wurde ist nicht gerade ein Prunkstück. Sie wissen auch sicherlich, dass nicht jeder in der PISA-Studie eine Auflistung von Rechtschreibfähigkeiten oder Mathematikkenntnisse sieht. Das Ergebnis der PISA-Studie kann man einerseits als mehr oder weniger “nichtssagende Statistik-Grafik” der Presse überlassen oder man sieht sich das aktuelle Wahlergebnis an.

Beispielsweise sollte Geschichtsunterricht eben mehr sein als das leblose Auswendig lernen von irgendwelchen bezeichnende Datumsangaben.
Es wäre doch sehr praktisch, das über den Geschichtsunterricht Grundlagen gebildet werden, um den Schützlingen die Möglichkeiten zu bieten, Zyklen und Zeitachsen zu erkennen, die im Bezug auf Wiederholungen von Dekadenz, fehlinterpretierter Sicherheit, einseitig glorifiziertes Wirtschaftsinteresse zu genau solchen Katastrophen im Jetzt führen.

Ich weiß es nicht, ob solche Zeilen in Ihrer Arbeit als Kanzlerin für ein paar wenige Minuten Raum finden. Ich bin mir sehr darüber bewusst, dass Ihre Arbeitswoche keine tarifliche 39,5 Stunden hat und das die Verantwortung auch global gesehen immens ist. Ein falsches Wort oder ein unüberlegter Witz bei einem Außentermin kann fatale Folgen für uns hier in Deutschland haben.

Daher appelliere ich an Sie als Mensch!

Beziehen Sie uns bitte wieder vollwertig mit ein. Wir sind keine gefährlichen Menschen.
Manchmal vielleicht etwas nervig, weil wir Fragen stellen und uns nicht mit einer lapidaren Antwort zufrieden geben. Auch neigen wir dazu, uns zu empören und auf Demonstrationen hunderttausende an Menschen zu mobilisieren. Doch das tun wir, um unsere Stimme zu verstärken… ihr lauter Gehör zu verschaffen.
Wenn Sie uns helfen zu verstehen, was und warum Sie bestimmte Entscheidungen treffen, wenn Sie uns gestatten Fragen zu stellen und auch mal  Entscheidungen hochgradig kritisch zu betrachten und auch anzufechten, die wir als “mit heißer Nadel gestrickt” oder gar einseitig “lösungsverliebt” halten, dann erhalten Sie im Gegenzug mit uns auch ein Volk, mit welchem Sie wieder in der EU werben können, als eine Gemeinschaft, die aus mündigen, verantwortungsbewussten Bürgern besteht.

(PS.: die finale Version für die SackPost ist noch in Arbeit 🙂 )

In diesem Sinne…

… mit freundlichen Grüßen

Andreas Appenheimer
Witten, den 11.10.2017

Die “4-Jahres-Frist”

Die 4-Jahres-Frist ist mein Titel für die Zeit zwischen Bundestagswahlen 2017 und 2021.

Wenn wir es in dieser Zeit nicht hinbekommen, die Demokratie derart neu zu beleben, dass ein Bürger vor der nächsten Wahl immer noch so desinformiert ist, um einen Wahl-O-Maten nach den Inhalten zu befragen, haben wir verloren.

Es gibt verschiedene Themen, welche für den Wahlkampf ausgesucht wurden und andere, die genau nicht dafür “taugten”. Der Wahlkampf glich einem Theaterspiel aus Talkshows und Wahlprognosen-Pushing und lieferte hunderte von Steilvorlagen zur Entrüstung. Wir machten es den “Amis” gleich, wir versuchten zu diskreditieren, zu hämen, zu demütigen. Der Kampf um jede Stimme war verbal-blutig und hinterher kam es für alle dann doch anders.

Das Ergebnis war eine Ohrfeige, und zwar an alle. An die etablierten Parteien, an die Protestwähler, an die strategischen Wähler und an alle, die sich mehr oder weniger begründet aus dem politischen Diskurs seit langem heraus halten, also die sturen Nicht- und Gewohnheitswähler.

Und das Desaster ist, DAS halten scheinbar die meisten für Politik. Und durch unsere Verrohung in der Sprache, gerade im Internet, bilden wir uns ein, jetzt mal richtig auf die Pauke zu hauen wäre mit “muss mal doch mal sagen dürfen” die Meinung gegeigt, und fertig.

Statt entgegen zum Bundestagsspektakel die richtigen Fragen zu stellen und beharrlich die Beantwortung einzufordern, zeigen wir eine derart fiese Fratze und bewerfen uns mit Feindbildern, zementieren Spaltung und üben uns im immer weiter fortschreitendem radikalen Extremismus, das es nur so kracht.

Da werden mal eben auch alle als Feinde eingestuft, die kritisch nicht alles in eine Nazi-Ecke werfen oder werden zu Gutmenschen, weil sie ein Asylrecht für notwendig und wichtig finden. Eine inhaltliche Auseinandersetzung findet nicht mehr statt.

Jüngst werden nun die Ostdeutschen pauschal abgestraft, für das Spiel mit dem Feuer zur Rechenschaft gezogen.

“Und dennoch müssen wir jetzt, alle miteinander, klarkommen damit, dass viele Leute AfD gewählt haben. Dafür gilt zuerst: durchatmen, liebe Westdeutsche! Das Gute ist, dass wir jetzt darüber reden können.”
http://www.zeit.de/2017/41/afd-osten-behandlung-waehler-rechtsextremismus

Wir können nun so weiter machen, uns auch lauthals darüber beschweren, das alle so weiter machen, auch die Regierung zieht es vor, so weiter zumachen und uns allen gegenseitig für die nächsten Jahre das “#Weitermachen” vorwerfen. Wir scheinen uns nicht im Klaren zu sein, dass #weiterso auch unsere Art zu Leben mit einschließt!

Denn damit hätten wir nur bewiesen, dass wir eine Demokratie weder verstanden haben noch bereit sind, sie gesund zu ernähren. Wir hätten bewiesen, das “links”, “rechts”, “oben” und “unten” nur noch über ein primitives Schuldverständnis verfügt und das Auseinandersetzung so uncool und außerdem anstrengend ist. Zu aufwendig und viel zu kompliziert.

Und ich behaupte, dass dies nicht stimmt!
Der Bürger trägt seinen Anteil darin, dass er mit “Geiz ist Geil” auch die Investition seiner Lebenszeit in die Gemeinschaft vernachlässigt hat. Generationskonflikte bleiben trotz unserer Möglichkeiten durch Intelligenz bestehen. Konsumverhalten wird nicht hinterfragt. Radikaler Individualismus wird als Zeichen von intellektueller Selbstpräsentation und “eigene Meinung” gefeiert und überschminkt die diffus fehlende Anerkennung aus der Gemeinschaft. Die durch UNS vorangetriebene Arm-Reich-Schere wird mit Statussymbolen der Rücksichtslosigkeit und Dekadenz untermauert.

Was wir brauchen, sind zum Beispiel ganz dringend Orte, an denen wir wieder lernen, unsere Meinungen mit Wissen abzugleichen. Wir sollten lernen, dass eine andere Meinung zu haben kein Verrat ist, keine Behinderung die man weg therapiert oder missionieren muss, sondern dass sie lediglich gehört werden will um dann darüber zu reden.

Wir sollten lernen, dass das Leben nicht ausschließlich digital abläuft, sondern auch analog. Kommunikation ist ein wesentlicher Bestandteil einer Demokratie. Meinungsaustausch kann Standpunkte aufzeigen und den eigenen Horizont erweitern. Meinungen muss man nicht zwangsläufig zustimmen oder sie vernichten. Es sind zunächst nur Blickwinkel. Nichts mehr oder weniger.

Jürgen Wiebicke schrieb in seinem Taschenbuch “Zehn Regeln für Demokratie-Retter”:

“Wir sollten uns klarmachen: Wenn wir Klagen anstimmen über “die” Politiker, haben wir die halbe Strecke auf dem Weg ins populistische Denken schon geschafft. Dann verzichten wir auf Differenzierungen, genauso wie die AfD, die nur noch “Altparteien” kennt.”

Und genau deswegen sollten wir uns daran beteiligen. Nicht nur die Politiker sind gefordert, den Stimmen zuzuhören, auch wir sind gefordert eine Stimme zu geben. Jedoch inhaltsvoll und formuliert statt Gegröhle.

Lasst uns die Sprache wieder entdecken und lasst uns zur Demokratie stehen. “[..] Sie ist eine Lebensform. Wir haben vergessen, wie attracktiv sie ist[..]”.

4 Jahre…  wir haben vier Jahre dafür!

 

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